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„Anerkennung des Fachberufs stärken“

Medizinische Fachangestellte (MFA) erhalten seit 1. April dieses Jahres 2,5 Prozent mehr Gehalt, linear in allen Gehaltsstufen. Für angehende MFA sind es in jedem Ausbildungsjahr 30 Euro monatlich mehr. Wir haben mit Carmen Gandila, Verhandlungsführerin auf MFA-Seite, gesprochen.

Das Foto zeigt Carmen Gandila. Foto: VmF

Carmen Gandila

Frau Gandila, sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Angesichts der Tatsache, dass die Arbeitgeber zunächst nur 1,6 und dann 1,9 Prozent angeboten haben, sind wir mit dem Ergebnis zufrieden. Dennoch müssen wir sagen, dass die Leistungen der MFA im niedergelassenen Bereich generell immer noch zu gering vergütet werden. An dieser Aufgabe bleiben wir aber dran. Denn die nächsten Verhandlungen für MFA stehen bereits in weniger als einem Jahr an.

Im Vergleich zu anderen dualen Berufsausbildungen stehen Auszubildende MFA damit etwa in der Mitte hinsichtlich der Ausbildungsvergütung. Mit dem Abschluss halten wir diese Position. Gleichzeitig sind die Ausbildungsvergütungen ein nicht zu unterschätzender Faktor, um junge motivierte Frauen und Männer für die Berufswahl zur/m MFA zu interessieren und damit den Fachkräftebedarf sichern zu können.

Sie haben sich außerdem auf ein Plus bei der betrieblichen Altersvorsorge verständigt. Was bedeutet das konkret?

Seit 1. April 2016 hat sich dieser Arbeitgeberbetrag um 10 Euro monatlich für Voll- und Teilzeitkräfte mit mindestens 18 Stunden pro Woche bzw. um 5 Euro monatlich für Auszubildende und Teilzeitkräfte mit weniger als 18 Stunden/Woche erhöht.

Ziel der beiden Tarifvertragsparteien war es, den Medizinischen Fachangestellten damit zur betrieblichen Altersversorgung einen Mehrwert bei der eigenen Rentenvorsorge zu schaffen. Die gesetzliche Rente ist bereits heute nicht ausreichend und stellt lediglich eine Grundversorgung dar.

Ich empfehle unseren Mitgliedern und den Ärzten, dieses wichtige Thema nicht außer Acht zu lassen und gemeinsam einen Teil der Rentenlücke zu schließen.

Wie liefen die Verhandlungen? Immerhin kam eine Einigung erst in zweiter Runde zustande.

Wir haben in der ersten Tarifrunde ein um 175 Euro höheres Einstiegsgehalt für die Tätigkeitsgruppe I gefordert. Das Gegenangebot der Tarifpartei der Ärzteschaft, der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/MFA (AAA), von 1,6 Prozent linear auf alle Gehälter war für uns nicht akzeptabel. Das wären etwa 35 Euro brutto mehr gewesen. In der zweiten Tarifrunde sind wir bereits der AAA um einiges entgegen gekommen. Wir haben sehr kontrovers, aber zugleich auch sehr konstruktiv miteinander verhandelt.

Warum ist die Gehaltsanpassung wichtig?

Eine Anpassung des Gehaltes ist aus mehreren Gründen notwendig: Erstens, um den Beruf der Medizinischen Fachangestellten in Zeiten des Fachkräftemangels weiterhin attraktiv zu gestalten. Eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung ergab unter anderem, dass jede fünfte Praxis Medizinische Fachangestellte sucht. Es ist inzwischen schon leichter, einen Assistenzarzt zu bekommen als eine Medizinische Fachangestellte.

Zweitens, um die gesellschaftliche Anerkennung dieses Frauenberufs zu stärken.

Drittens, um auch das Gehalt der langjährigen Mitarbeiter/innen zu erhöhen. Durch die Änderung der Struktur des Gehaltstarifvertrages im Jahre 2013 waren die Berufsjahrgruppen verringert worden. Das wirkte sich vor allem auf die Mitarbeiter/innen negativ aus, die auf mehr als 17 Berufsjahre zurückblicken können.

Die Fragen stellte Simone Heimann.