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„MFA sind nicht ersetzbar“

Die Ausbildung zur bzw. zum Medizinischen Fachangestellten (MFA) ist gefragt. Im vergangenen Ausbildungsjahr 2014/15 sind allein in Nordrhein 2.294 neue Ausbildungsverträge geschlossen worden. Ein neuer Rekord. Warum der Beruf MFA so beliebt ist, wie die Jobaussichten und die Aufstiegsmöglichkeiten sind, haben wir mit Brigitte März und Cornelia Grün besprochen.

Brigitte März hat über 30 Jahre als MFA gearbeitet. Sie ist seit 2006 Leiterin des Referats „Medizinische Fachangestellte“ und Mitglied des Bundesvorstands des Verbands medizinischer Fachberufe e.V.
Foto: KV Nordrhein

Warum ist die Ausbildung zur MFA so beliebt?

März: Erste Vorstellungen über den eigenen Berufsweg entwickeln sich häufig durch Vorbilder oder aus Erlebnissen des täglichen Lebens. So bleiben beispielsweise Erfahrungen mit kontaktfreudigen, sympathischen jungen Praxismitarbeiterinnen – beginnend schon in Kinderarztpraxen – im Gedächtnis.

Das Berufsbild vermittelt eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit mit viel Kontakt zu den verschiedensten Menschen. Es ist kein stupider Schreibtischjob, stattdessen verspricht der Beruf viel Dynamik. Er beinhaltet unterschiedlichste medizinische Arbeitsinhalte, es sind organisatorische, assistierende, betreuende Aufgaben zu bewältigen, andererseits aber auch Tätigkeiten aus dem Verwaltungsbereich.

Grün: Der Beruf der MFA ist ein beliebter Beruf, weil er so lebendig und abwechslungsreich ist. Nach dem Berufsbildungsbericht ist der Beruf der MFA nach wie vor einer der Top-Ten-Berufe. Dies liegt vielleicht auch daran, dass der Beruf betriebswirtschaftlich/kaufmännische wie auch medizinische Kompetenzen vereinbart. Das wiederum bietet MFA die Möglichkeit, sich auch schwerpunktmäßig im organisatorischen oder medizinischen Bereich in der Praxis zu betätigen, je nachdem wo die persönlichen Stärken liegen.

MFA sind das Aushängeschild einer Praxis und erste Ansprechpartner für die Patienten. Sie sind die engsten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte. MFA sind darüber hinaus kommunikativ, teamfähig, belastbar und wahre Organisationstalente. Wer Freude am Umgang mit Menschen hat, ist in diesem Beruf genau richtig.

Cornelia Grün ist Referentin für das Ausbildungswesen MFA bei der Ärztekammer Nordrhein.
Foto: KV Nordrhein

Aber die Anforderungen sind nicht zu unterschätzen. Etwa jede zehnte Auszubildende fällt derzeit bei der Prüfung durch. Woran liegt das?

Grün: Die MFA hat einen sehr verantwortungsvollen Beruf. Wer die Abschlussprüfung zur MFA besteht, ist dafür gut gerüstet. In der Abschlussprüfung muss der dafür notwendige Wissensstandard abgeprüft werden. Der kann leider nicht von allen Prüflingen abgerufen werden.

Wie sind die Aussichten auf einen Job nach erfolgreichem Abschluss?

März: Gerade mit Blick auf Nordrhein-Westfalen kann es besser nicht sein. Die meisten Auszubildenden werden nach erfolgreichem Abschluss übernommen. Der Beruf der oder des MFA ist aus dem heutigen Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Als wichtige Mittlerinnen zwischen Ärztin bzw. Arzt und selbstbewussten Patientinnen und Patienten sind sie an vielen Stellen gefragt. Gleichzeitig wachsen auch die Aufgabenbereiche, die an MFA – entsprechende Fortbildungen vorausgesetzt – delegiert werden. Damit verbunden sind zunehmende Anforderungen an Verantwortungsbewusstsein, Leistungswillen, persönliche Einsatzbereitschaft und Teamfähigkeit.

Grün: Kranke Menschen wird es leider immer geben, deshalb ist der Beruf zudem zukunftssicher; MFA sind nicht ersetzbar. Außerdem gehört der Beruf zu einem der familienfreundlichsten Berufe, aufgrund der Teilzeitarbeitsmöglichkeiten. So können Familie und Beruf sehr gut unter einen Hut gebracht werden.

Sind MFA ausschließlich in Praxen tätig?

März: Nein, MFA arbeiten heute längst nicht mehr nur in Arztpraxen oder Medizinischen Versorgungszentren. Sie sind ebenso in arbeitsmedizinischen Zentren, Klinikambulanzen, Reha-Einrichtungen und medizinischen Laboratorien, aber auch in der medizinischen Forschung, pharmazeutischen Industrie sowie in Institutionen und Organisationen des Gesundheits- und Sozialwesens tätig. Die Grundlagen und Kompetenzen, die man in der dualen Ausbildung, also in Praxis und Berufsschule erwirbt, bestätigen nach bestandener Prüfung die sogenannte berufliche Handlungsfähigkeit, die je nach persönlichen Stärken ausgebaut werden kann.

Wenn man dann MFA ist: Sollte man sich weiter qualifizieren?

Grün: Auf jeden Fall. Mit interessanten Fortbildungen ist es möglich, kontinuierlich an der eigenen beruflichen Karriere zu arbeiten. Sich nicht fortzubilden, heißt stillzustehen. Lebenslanges Lernen ist auch im Berufsbild der MFA wichtig, um sich zu spezialisieren und auf dem Laufenden zu halten. Mit speziell zugeschnittenen Fortbildungen können MFA frischen Wind in ihre Arbeit bringen.

Etwas für die eigene Fortbildung zu tun, hat aber auch noch einen angenehmen Nebeneffekt, wenn man einen Arbeitsvertrag auf der Grundlage der Tarifverträge besitzt. Der Gehaltstarifvertrag für MFA ist so aufgebaut, dass das Gehalt in den Tätigkeitgruppen steigt, je mehr Fortbildungsstunden nachgewiesen werden. So lohnt sich Fortbildung gleich in doppeltem Sinne.

Welche Möglichkeiten gibt es zur weiteren Qualifikation?

März: Das Angebot ist breit gefächert. Wichtig ist, sich über die eigene Zielsetzung bewusst zu werden. Wo liegen meine persönlichen und fachlichen Stärken? Was mache ich besonders gern, wofür werde ich gelobt? Wie viel Engagement, Zeit und Geld bin ich bereit in meine weitere berufliche Qualifizierung zu investieren? Eine gute Vorbereitung und Planung zahlt sich aus, auch finanziell. Die Möglichkeiten, berufliche Handlungskompetenz, also Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten zu erhalten, anzupassen oder zu erweitern, sind vielfältig und das entsprechende Angebot ebenso.

Grün: Aktuell können MFA bei Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen zum Beispiel 14 Spezialisierungen im medizinischen Bereich absolvieren. Erste Anlaufstelle für fortbildungsinteressierte MFA und Praxischefs ist im Bereich Nordrhein die Nordrheinische Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung.

Welche Weiterbildungen gibt es konkret?

März: Als Weiterbildungen für MFA stehen unter anderem zur Auswahl: Praxismanagerin, Impfassistentin, Reisemedizinische Assistenz, Diabetesassistentin DDG oder Diabetesberaterin, Qualitätsmanagement und natürlich die Nicht-ärztlichen-Praxisassistentin (NäPA), also EVA oder VERAH.

Außerdem gibt es noch verschiedene Aufstiegsfortbildungen. Sie enden mit einer Abschlussprüfung vor der jeweiligen Kammer. Für MFA stehen zum Beispiel zur Auswahl: Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung, die geprüfte Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen oder die staatlich geprüfte Betriebswirtin. Zu erwähnen ist die mögliche Anerkennung beruflicher Kompetenzen beispielsweise nach einer Aufstiegsfortbildung auf ein Studium.

Hier beraten wir unsere Mitglieder gerne. Gibt es Möglichkeiten, die Weiterbildung finanziell fördern zu lassen?

März: Ja, viele. In Nordrhein-Westfalen sind die Fördermöglichkeiten sehr gut, etwa durch den Bildungsscheck-NRW. Darüber hinaus gibt es auch die Bildungsprämie des Bundes, ein Weiterbildungsstipendium, ein Aufstiegsstipendium oder das Meister-BaFöG. Die verschiedenen Fördermöglichkeiten sind an unterschiedliche Voraussetzungen geknüpft und unterliegen verschiedenen Antragsformalitäten. Deshalb ist gute und frühzeitige Information unerlässlich, damit beispielsweise keine Fristen versäumt werden. Hierzu gibt es viele Informationen in unserer Informationsbroschüre „Berufliche Perspektiven“.

Zuallererst sollte aber geklärt werden, ob die geplante Maßnahme im Zusammenhang mit gesetzlichen Anforderungen steht. Bestimmte Qualifizierungen wie Hygiene, ambulantes Operieren oder Strahlenschutz müssen vom Arbeitgeber finanziert werden.

Die Fragen stellte Frank Naundorf.

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