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Organe spenden – Leben retten: Der deutsche Organmangel

Beim Thema Organspenden hat Deutschland Nachholbedarf. Etwa 12.000 Patienten warten auf ein Spenderorgan, auf ein Herz, eine Niere oder Leber. Viele vergebens. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sterben jährlich 1.000 Menschen „auf der Warteliste“.

Ein Grund dafür: Gerade einmal jeder sechste Bundesbürger hat einen Spenderpass. Dabei haben viele Deutsche eine positive Haltung zur Organ- und Gewebespende: Nach einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind 74 Prozent der Befragten damit einverstanden, nach dem Tod Organe zu spenden, Ihre Unterschrift unter den Spenderausweis setzen die meisten aber nicht. Wenn ein unterschriebener Ausweis vorliegt, dürfte nach dem Hirntod des Patienten – den zwei Ärzte unabhängig voneinander bestätigen müssen – ein Organ transplantiert werden. Da in Deutschland die „erweiterte Zustimmungslösung“ gilt, ist eine Entnahme auch ohne Spenderausweis möglich, wenn die Angehörigen zustimmen. Im vergangenen Jahr spendeten 1.217 Menschen in Deutschland insgesamt 4.709 Organe, die in den Transplantationszentren verpflanzt wurden.

Spende-Muffel

Auch wenn die Bereitschaft zur Organspende im vergangenen Jahr stieg. Es reicht nicht. Gerechnet auf eine Million Einwohner kamen im vergangenen Jahr in Deutschland 14,9 Organspender. Ein deutlich niedrigerer Wert als etwas in den USA, Spanien oder Frankreich, die auf mehr als 25 Spender pro Million kommen. Und auch wenn in Nordrhein-Westfalen (NRW) die Zahl der Organspenden in den vergangenen Jahren stark zunahm: Mit 14,5 Spenden auf eine Million Menschen liegt NRW noch immer unter dem Bundesdurchschnitt.

Niedergelassene Ärzte spielen bei der Beratung potenzieller Spender eine zentrale Rolle. Nach einer Umfrage von TNS Healthcare im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist der Arzt für 59 Prozent der Befragten der wichtigste Berater, wenn es um das Thema Organspende geht. Dahinter kommen mit 32 Prozent Partner oder Angehörige und mit elf Prozent Freunde.

Steinmeiers Niere

Neben der Transplantation von Organen Verstorbener gibt es die Möglichkeit der Lebendspende. Im vergangenen Jahr entschlossen sich 660 Menschen zu einer Lebendspende. Aufsehen erregte die Nierenspende des SPD-Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier an seine Ehefrau im August dieses Jahres.

Lebendorganspenden regelt in Deutschland das Transplantationsgesetz. Lebend spenden dürfen demnach nur Ehegatten, Verwandten ersten oder zweiten Grades, Verlobte oder andere Personen, „die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen“. Eine weitere Voraussetzung ist, dass kein geeignetes Organ eines Verstorbenen zur Verfügung steht. So war es auch bei Steinmeiers Ehefrau.

Debatte um Widerspruchsregelung

Die Spende des SPD-Chefs hatte auch eine Debatte über eine Reform der Organspenden-Regelung angeregt. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach sich für die Widerspruchsregelung bei Organspenden aus. Dabei könnten Hirntoten Organe entnommen werden, wenn sie dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben.

Ihr Parteikollege, Gesundheitsminister Philipp Rösler, lehnt die Widerspruchsregelung ab. Damit baue man nur „emotionale Hürden“ auf. Außerdem äußerte Rösler Zweifel an der Wirksamkeit. Er setzt sich dafür ein, den Ablauf der Organspenden weiter zu verbessern, zum Beispiel durch mehr Koordinatoren für Spenderorgane an den Kliniken.

Der Streit um den richtigen Weg sollte nicht zu lange dauern. Denn jeden Tag sterben drei Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Mehr Deutsche mit Spenderpass – das wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Organspende-Informationen finden Sie bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Die DSO koordiniert die Transplantationen postmortal gespendeter Organe zwischen rund 1.400 Kliniken und den 50 Transplantationszentren in Deutschland.

Mehr Infos

Organspende: Die häufigsten Fragen

Seit zehn Jahren gibt es das Infotelefon Organspende, das die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Deutschen Stiftung Organtransplantation betreiben. Mehr als 50 Gespräche pro Tag führen die Mitarbeiter und haben bis dato über 45.000 E-Mails beantwortet.

Gibt es eine Altersgrenze für Organspender?

Nein, es gibt keine Altersgrenze für Organspender. Entscheidend ist das biologische und nicht das kalendarische Alter. Ob die Organe für eine Transplantation geeignet sind, kann erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch geprüft werden.

Werden Organspender registriert?

Nein, es gibt keine Registrierung von Organspendern. Es reicht, einen Ausweis auszufüllen und diesen stets bei sich zu tragen. Außerdem sollte man seine Familie über seine persönliche Entscheidung informieren.

Muss man sich ärztlich untersuchen lassen, wenn man sich zur Organspende bereit erklärt?

Nein, eine Untersuchung ist nicht notwendig und wäre zu diesem Zeitpunkt auch nicht sinnvoll, da sich der gesundheitliche Zustand eines Menschen fortwährend ändern kann. Vorerkrankungen kann man, soweit man dies möchte, auf dem Ausweis vermerken.

Welche (Vor-)Erkrankungen schließen eine Organspende aus?

Eine Organentnahme wird grundsätzlich ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme in Frage kommen.

Woher bekomme ich den Organspendeausweis und Infomaterial?

Unter der Rufnummer 0800 90 40 400 (gebührenfrei) ist das Infotelefon Organspende montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr erreichbar. Ein qualifiziertes Team beantwortet Fragen zur Organspende und -transplantation. Der Organspendeausweis und kostenlose Informationsmaterialien können beim Infotelefon direkt bestellt werden.

Der Organspendeausweis und weitere Informationen stehen im Internet bereit:

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