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Thema Organspende: „Wir Ärzte stehen in der Pflicht, unsere Patienten zur Organspende zu mobilisieren“

Interview mit Dr. Peter Potthoff, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Das Foto zeigt Dr. Peter Potthoff

Dr. Peter Potthoff, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein

Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung zur Organspende bereit sind, aber vergleichsweise nur wenige einen Organspendeausweis besitzen. Woran liegt das Ihrer Meinung?

Potthoff: Die generelle Bereitschaft zu spenden ist sehr hoch. Aber wenn es konkret um den Organspendeausweis geht, bekommen es die meisten Menschen schlichtweg mit der Angst zu tun. Das ist zu verstehen angesichts des Themas Tod, das mit der Organspende verbunden wird. Resultat – auch bei den prinzipiell Spendewilligen – ist leider, dass der Organspendeausweis unausgefüllt wieder beiseite gelegt wird. Und genau hier müssen wir Ärzte ansetzen.

Was schlagen Sie vor?

Potthoff: Angesichts der Zahlen von 12.000 Betroffenen, die auf ein Spenderorgan warten, muss gehandelt werden und zwar auf allen Ebenen. Vieles wird ja bereits getan. Wir Ärzte stehen hier aber ganz besonders in der Pflicht, unsere Patienten zur Organspende zu mobilisieren. Das hat nicht nur etwas mit dem Verständnis unseres Berufes zu tun, sondern weil der Arzt als wichtigster und vertrauenswürdiger Ansprechpartner bei dem Thema Organspende angesehen wird.

Was können Ärzte tun, um ihre Patienten zu motivieren, sich einen Organspendeausweis zu besorgen?

Potthoff: Das Thema Organspende muss im Arzt-Patientengespräch aufgegriffen werden. Der Arzt sollte hier proaktiv vorgehen und das Gespräch in diese Richtung lenken. Das Thema Sichtbarkeit spielt dabei eine große Rolle. Organspendeausweise müssen in der Praxis für alle sichtbar gemacht werden. Der Patient muss mit dem Thema Organspende und Organspendeausweis konfrontiert werden. Die Ausweise müssen daher in den Arztpraxen in ausreichendem Maße ausliegen. So haben die Patienten die Möglichkeit, sich bereits im Wartezimmer damit zu beschäftigen. Das wird für sie ein Anstoß sein, ihren Arzt auf das Thema von sich aus anzusprechen.

Was kann man Patienten mit dem auf den Weg geben, die mit dem Organspendeausweis noch hadern?

Potthoff: Ich kann die Patienten nur dazu ermutigen, das offene Gespräch mit dem Arzt zu suchen, um die für sie wichtigen Fragen zu besprechen. Gleichzeitig sollten sie auch Familie und Freunde in diesen Prozess mit einbinden. Je offener und breiter die Frage der Organspende diskutiert wird, desto produktiver ist das für den Entscheidungsprozess.

Der aktuelle Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, eine Gesetzesänderung beim Transplantationsgesetz in die Wege zu leiten, hat die Diskussionen rund um das Thema Organspende auf allen Ebenen wieder neu entfacht. Aus gutem Grund.

Organspende – auf einen Blick:

  • 12.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organtransplantation.
  • 1000 sterben jedes Jahr, weil für sie kein Spenderorgan gefunden wurde
  • Im Jahr 2009 wurden 1.888 potentielle Organspender gemeldet (Quelle: Webseite der Deutschen Stiftung Organtransplantation):
    • In 565 Fällen davon wurde die Organspende im Angehörigengespräch abgelehnt.
    • In 63 Fällen wurde die Organentnahme abgebrochen, da beispielsweise ein Tumor festgestellt wurde.
    • In 24 Fällen lagen andere medizinische Gründe vor.
    • In 19 Fällen andere Gründe.

Es verblieben nur 1.217 tatsächliche Organspender.

Nach einer Umfrage (Quelle: Befragung der Allgemeinbevölkerung der BZgA, Mai 2009) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bei der Allgemeinbevölkerung waren rund 70 Prozent der Befragten damit einverstanden, nach ihrem Tod Gewebe und Organe zu spenden. Aber nur 17 Prozent der Befragten verfügten über einen Organspendeausweis. Das zeigt: Grundsätzlich gibt es eine hohe Spendebereitschaft in der Bevölkerung, aber bei großen Teilen hapert es noch immer an der konkreten Umsetzung, sich für die Organspende per Organspendeausweis auszusprechen.