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Korrektes Kodieren in der Praxis: Kodieren von Demenzerkrankungen

Mit einer möglichst detaillierten Kodierung lässt sich die Morbidität der Versicherten verlässlich darstellen. Wenn diese steigt, können die KVen in den Verhandlungen mit den Krankenkassen höhere Honorare durchsetzen. Korrektes Kodieren ist also bares Geld wert. Das gilt besonders für verbreitete Erkrankungen wie die Demenz.

Auf dem Foto sieht man einen Herd mit einem gelben Aufkleber: "Demenz! Herd aus?"

Fortschreitende Defizite des Gedächtnisses – ein Symptom von dementiellen Erkrankungen. (Foto: Gerhard Seybert - fotolia.com)

Eine Demenz ist eine hirnorganische Erkrankung, die zu fortschreitenden Defiziten in den Bereichen Orientierung, Gedächtnis, Denkvermögen, Urteilsfähigkeit und der Informationsverarbeitung führt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens und der Motivation begleitet.

Demenz ist zunächst eine klinische, beschreibende Syndromdiagnose; eine prognostische Aussage ist damit nicht impliziert. Hinter der Syndromdiagnose verbirgt sich eine Fülle von ursächlichen Erkrankungen, die insbesondere neurologisch und psychiatrisch differenziert werden müssen. Denn erst die ätiologische Zuordnung erlaubt eine fundierte Aussage über den Verlauf und den Behandlungsbedarf, zum Beispiel Normaldruckhydrocephalus.

Eine Demenz ist auch abzugrenzen von anderen, teils vorübergehenden kognitiven Störungen verursacht etwa durch Drogen, Alkohol oder Medikamente, von depressiven Erkrankungen oder im Rahmen einer Intelligenzminderung.

Die Demenz wird immer als gesicherte Diagnose oder als Verdachtsdiagnose verschlüsselt, einen "Zustand nach" gibt es bei Demenzerkrankungen nicht. Dies sollten Sie beachten, um eine hinreichende Plausibilität der Kodierung zu erreichen. Eine erste ätiologische Differenzierung der Demenzerkrankungen kann an klinischen Merkmalen erfolgen, die beispielsweise in der ICD-10 gelistet sind.

Fünf Schritte zur korrekten Kodierung

  1. Sichten der medizinischen Dokumentation
  2. Auswahl der Diagnosen
  3. Auswahl des ICD-Kodes
  4. Vergabe von Zusatzkennzeichen
    • V: Verdachtsdiagnose
    • G: gesicherte Diagnose
    • A: ausgeschlossene Diagnose
  5. Vorhandensein zusätzlicher Symptome – fünfte Stelle

Primär- und Sekundärschlüsselnummern

Der ICD-10-Schlüssel sieht zwei Arten von Kodes vor, die auch als sogenannte Primär- und Sekundärschlüsselnummern bezeichnet werden. Primärschlüsselnummern können alleine und in beliebiger Reihenfolge stehen. Teilweise sind Primärschlüsselnummern mit einem Kreuz (†) versehen, um eine feste Kombination mit einem Sternkode im Sinne der Kreuz-Stern-Systematik der ICD-10 zu kennzeichnen. Alle ICD-Kodes, die nicht mit einem Stern (*) oder Ausrufezeichen (!) versehen sind, gelten als Primärschlüsselnummern.

Sekundärschlüsselnummern sind als solche vorgegeben und abschließend mit einem Stern (*) oder Ausrufezeichen (!) gekennzeichnet. Sekundärschlüsselnummern sind nur in Kombination mit einer Primärschlüsselnummer anzugeben, wobei die Reihenfolge beliebig ist.

Die beschriebenen Zusatzkennzeichen "*", "!" und "†" sind auf die Regelungen der ICD-10-GM selbst zurückzuführen und müssen bei der Datenübermittlung nicht mit angegeben werden. Achtung: Verwechseln Sie sie nicht mit den gesetzlich vorgegebenen Zusatzkennzeichen "V", "G", "Z" und "A" für die Diagnosensicherheit oder "L", "R" und "B" für die Seitenlokalisation (bei Demenzerkrankungen unerheblich). Diese Zusatzkennzeichen sind zusätzlich und für jeden ICD-Kode einzeln bei der Verschlüsselung der Daten für die Abrechnung vom behandelnden Arzt / Psychotherapeuten anzugeben.

Zusammenfassung

Die ICD-10-Kodierung ist bedingt zur Abbildung der Morbidität der Bevölkerung geeignet. Der Kodierungsschlüssel ist zur wissenschaftlichen Klassifizierung von Krankheiten entwickelt worden.

Trotzdem ist die sachgerechte Kodierung wichtig, um die Morbidität der Bevölkerung annähernd abzubilden. Geldmittel für die einzelnen Länder-KVen werden abhängig von der abgebildeten Morbidität fließen.

Die Demenz ist regelhaft zu kodieren, immer dann, wenn Leistungen zur Behandlung gesetzlich Versicherter im Quartal erbracht werden. Kodieren Sie sie auch, wenn die Demenz zur Komplikation respektive Erschwernis bei der Behandlung anderer Erkrankungen führt. Wichtig ist die Kodierung der Demenz also auch zur Dokumentation des Mehraufwandes bei der Behandlung anderer Erkrankungen. Die Diagnose einer Demenz ist eine Dauerdiagnose, einen "Z.n." gibt es nicht!

Die KV Nordrhein übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben.

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