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Verordnung von Blutzuckermessgeräten und Teststreifen

Blutzuckermessgeräte wurden bisher in der Regel von den Herstellerfirmen unentgeltlich zur Verfügung gestellt und im Rahmen von Schulungen an Patienten abgegeben. Nach Einschätzung der Ärztekammer Nordrhein ist diese kostenfreie Abgabe von Blutzuckermessgeräten an Patienten durch einen Arzt sowohl wettbewerbsrechtlich als auch berufsrechtlich unzulässig. Auch nach den Vorgaben des Antikorruptionsgesetzes ist die kostenlose Abgabe von Blutzuckermessgeräten durch Firmen an Ärzte nicht mehr möglich – auch wenn sie weiterhin kostenlos in Apotheken geliefert werden.

Messgeräte verordnen

Blutzuckermessgeräte können Ärzte als Hilfsmittel verordnen: im Regelfall unter Angabe der Produktart „Blutzuckermessgerät“ oder der siebenstelligen Hilfsmittelnummer (21-34-02-1). Apotheke, Sanitätshaus oder der Lieferant geben dann ein Messgerät nach den Vorgaben des Liefervertrages mit der jeweiligen Krankenkasse ab.

Ein bestimmtes Messgerät können Ärzte unter der zehnstelligen Hilfsmittelnummer mit Begründung verordnen. Geräte mit einer Sprachausgabe für einen blinden oder stark sehbehinderten Patienten können als Produktart oder unter der Hilfsmittelnummer 21.34.02.2 verordnet werden. Sonder- oder Zusatzausstattungen zum elektronischen Protokollieren oder zur Analyse der Messwerte fallen nicht unter die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung.

Firmen bieten zudem an, dass Patienten ein Blutzuckermessgerät kostenlos bestellen. Ein vom Patienten selbst erworbenes Blutzuckermessgerät begründet jedoch keinen Leistungsanspruch für die passenden Teststreifen gegenüber der Krankenkasse.

Blutzuckerteststreifen

Die passenden Teststreifen zu den Messgeräten werden namentlich auf einem Arzneimittel-Rezept verordnet. Die Teststreifen zählen dabei als Arzneimittel. Die verordneten Teststreifen geben Apotheken, Sanitätshäuser oder der Versandhandel ab. Die Testreifen sind in drei Preisgruppen eingeordnet (A1, A2 und B), die Apothekerverband und Krankenkassen festlegen.

In Nordrhein soll der Anteil der preiswerten Teststreifen der Preisgruppen B und A2 je Praxis mindestens 78 Prozent betragen. Praxen sollten bei der Auswahl der Messgeräte darauf achten, dass später preiswerte Teststreifen verordnet werden können. Nach dem Strukturvertrag zwischen der KV Nordrhein und der AOK Rheinland/Hamburg erhalten Ärzte für die ergebnisoffene Beratung von Diabetes-Patienten und die Umstellung auf preiswertere Blutzuckerteststreifen eine Vergütung von 25 Euro.

Die Menge der verordneten Testreifen je Patient und Quartal richtet sich nach der Insulintherapie und wie häufig Patienten messen müssen. Kassen und KV in Nordrhein haben hierfür einen Orientierungsrahmen als Anlage zur Richtgrößenvereinbarung veröffentlicht.

Apotheken stellen um

Auch Apotheker können Patienten auf preiswerte Teststreifen umstellen. Nach dem Arzneiliefervertrag zwischen dem Deutschen Apothekerverband und den Ersatzkassen müssen Apotheken ab Oktober 2016 eine Quote von 55 Prozent preiswerter Teststreifen erreichen. Für die Umstellung eines Patienten auf die günstigeren Teststreifen und Geräte kann die Apotheke einmalig 20 Euro abrechnen. Apotheken können gegen preiswerte Teststreifen und Testgeräte austauschen, wenn der Arzt nicht durch das Aut-idem-Kreuz den Austausch verbietet.

Wenn Apotheker AOK-Patienten auf Blutzuckermesssysteme der Preisgruppe B umstellen, können Sie ebenfalls eine Umstellungspauschale in Höhe von 25 Euro für die Schulung und Beratung abrechnen. Patienten können nur umgestellt werden, wenn Sie einem entsprechenden Gerätewechsel zustimmen. Die Vereinbarung zwischen der AOK Rheinland/ Hamburg und dem Apothekerverband Nordrhein sieht zudem eine weitere Preisabsenkung der Blutzuckerteststreifen der Preisgruppe A2 vor. Sie gilt ab 1. September 2016 - zunächst nur für ein halbes Jahr.

Einzelne Kassen informieren in direkten Anschreiben an Praxen über ihre Rabattverträge zu Blutzuckerteststreifen. Für die in Nordrhein vereinbarte Quote zählen jedoch die Preisgruppen nach der Vereinbarung zwischen Kassen und Apothekerverband. Also auch ein rabattiertes A1-Produkt sollte zu nicht mehr als 22 Prozent von allen Testreifen-Packungen verordnet werden.

Neue ISO-Norm

Teststreifen und Messgeräte müssen künftig der ISO-Norm 15197:2015 entsprechen. Ab 1. Juli 2016 dürfen Teststreifen-Systeme, die der ISO-Norm nicht entsprechen, nur noch verkauft, jedoch nicht mehr nachgeliefert werden. Die Übergangsfrist der Teststreifen endet zum 30. Juni 2017. Neben den strengen Toleranzgrenzen bei der Glucosebestimmung ist ein weiteres Novum der ISO-Norm der Fokus auf die einfache und unkomplizierte Bedienung der Geräte. Der Nutzer muss lediglich anhand der Bedienungsanleitung in der Lage sein, das Gerät ordnungsgemäß zu bedienen.

Dr. Holger Neye

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