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Erfolgreicher Start für NPPV-Projekt

Mehr als 200 Besucher kamen zur Vorstellung des im April gestarteten Projekts zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV) am 16. September ins Haus der Ärzteschaft. Der offizielle "Kick-off" stieß somit auf noch mehr Interesse bei Neurologen, Psychiatern und Psychotherapeuten als gedacht – die Besucher waren gekommen, um nähere Informationen zum Projekt zu erhalten. „Ich freue mich sehr, dass Sie in dieser Zahl und in dieser Kombination aus Fachgruppen und Professionen gekommen sind“, sagte KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann, der als Neurologe und Psychiater zu den Vätern des Projekts gehört, das der Innovationsfonds bis Ende 2020 mit fast 13 Millionen Euro fördert.

„Die ersten Überlegungen zu einer engeren Zusammenarbeit unserer Berufsgruppen gab es schon vor zehn Jahren auf Bundes- und Landesebene“, so Bergmann. Er hat das Vorhaben, das Konzept als Innovationsfonds-Projekt aufzulegen, gemeinsam mit dem ehemaligen KVNO-Vorsitzenden Dr. med. Peter Potthoff und dem psychologischen Psychotherapeuten Ulrich Meier aus Köln entwickelt. Zusammen mit den Vertretern der beteiligten Berufsgruppen, der KV Nordrhein als Konsortialführer und Konsortialpartner IVP Networks aus Hamburg hat das Projekt laufen gelernt.

Zusammenarbeit als Regelfall

Bergmann nannte das wesentliche Ziel: „die routinierte, selbstverständliche Zusammenarbeit unserer Berufsgruppen zur besseren Versorgung von Patienten mit akutem, intensiven Versorgungsbedarf“. Das Fernziel bleibe eine nachhaltig verbesserte Versorgung innerhalb der Regelversorgung – die große Chance des Projekts sei, zentrale Elemente davon auf breiter Front anzuwenden und ihren Nutzen zu evaluieren. „Wir benötigen mehr Ressourcen, eine gute Steuerung sowie Kooperation, um Patienten mit akuten Krisen häufiger sehen und die Chronifizierung von Erkrankungen verhindern zu können. Heute schon nutzen viele von uns informelle Netzwerke. Kooperation und Netzwerkbildung wollen wir mit dem Projekt durch Management-Leistungen unterstützen, um Ärzte und Therapeuten zu entlasten.“

Bergmann betonte, dass das Projekt ambitioniert sei: von der aufwändigen Beantragung beim Innovationsfonds bis zur inhaltlichen Ausgestaltung. „Der Aufwand aber lohnt sich. Wir haben viel Zustimmung von der Politik und Kostenträgern bekommen – jetzt liegt es vor allem an Ihnen, sich zu beteiligen.“

Das Bild zeigt Dr. med. Kralheinz Großgarten bei der NPPV-Veranstaltung am 16. September 2017 im Haus der Ärzteschaft.

Dr. med. Karlheinz Großgarten referiert vor rund 200 Besuchern über das NPPV-Projekt.

Als Krankenkassen sind die AOK Rheinland/Hamburg und die BKK Nordwest dabei – weitere Partner könnten folgen. „Die Lebensqualität von Patienten mit hohem koordinativem Versorgungsbedarf wie affektiven Störungen, Psychosen, komplexen Traumafolgestörungen, Multipler Sklerose oder Parkinson soll sich verbessern“, betonte Dr. med. Karlheinz Großgarten, Geschäftsführer der KVNO und Projektleiter von NPPV. Als Teilziele nannte er auch Effizienzgewinne, also geringere direkte Krankheitskosten, und eine gesteigerte Verfügbarkeit der Behandler für schwere Fälle. Beim NPPV-Versorgungsprozess sei die Koordination entscheidend – die übernimmt ein Bezugsarzt oder -therapeut, der durchgehend  als „Kümmerer“ agiert und zunächst klärt, welche Patienten von NPPV besonders profitieren.

Zuwendung belohnen

An Appellen zur Teilnahme seitens der Berufsverbände fehlte es nicht: „In unserem System wird häufig nur technische Medizin belohnt, aber nicht Zuwendung. Bei NPPV werden deshalb Leistungen und Ressourcen dafür vorgesehen. Es geht um Vernetzung und Versorgungssteuerung, ohne Ärzte und Therapeuten zu gängeln“, sagte Neurologe Dr. med. Uwe Meier, Präsident des Spitzenverbands ZNS. Er hob die Möglichkeit zu „Akutsprechstunden“ und niederschwellige Angebote wie zeitnahe Gruppenangebote hervor.

Psychotherapeutin Barbara Lubisch, Präsidentin der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, betonte „zusätzliche Angebote über die Regelversorgung hinaus vor allem für Patienten mit multiprofessionellem Behandlungsbedarf. Die gemeinsame Behandlung wird durch Zuschläge unterstützt.“ Psychiater und Psychotherapeut Egbert Wienforth rief zur Beteiligung an den regionalen Netzwerken auf. „Wir müssen das Projekt mit Leben füllen.“

Ab Oktober werden Netzwerkmanager von IVP interessierte Praxen aufsuchen und in den Prozess einführen – dabei geht es unter anderem um vorgeschriebene Behandlungspfade und die Pseudoziffern zur Abrechnung der neuen Leistungen innerhalb der Quartals-Abrechnung in der vorhandenen Praxissoftware. Wer sich beteiligt, schließt einen Netzwerkpartnervertrag mit IVP ab und kann nach einem Eingangs-Assessment Patienten, die eine Teilnahmeerklärung unterschreiben, in den Vertrag einschreiben. „Letzte Abstimmungen zu den dazu nötigen Dokumenten laufen“, sagte Dr. Norbert Paas, Geschäftsführer von IVP. Unterstützt werden die Teilnehmer von einer Software, die durch den Prozess führt und das Controlling ermöglicht, sowie einer Koordinationsstelle, Hotline und anderen Angeboten. „Alles, was Sie für das Anmeldeverfahren brauchen, sind Internet und Mobiltelefon“, so Paas.

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