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Psychotherapie: Neue Leistungen werden jetzt doch besser vergütet

Der Bewertungsausschuss (BA), das Verhandlungsgremium von KBV und GKV-Spitzenverband, hat heute (21. Juni) eine Anpassung der Bewertung der psychotherapeutischen Sprechstunde sowie der Akutbehandlung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) beschlossen, rückwirkend zum 1. April 2017. Die neuen Leistungen werden nun genauso vergütet wie die Gebührenordnungspositionen der Richtlinien-Psychotherapie. Ursprünglich waren sie niedriger bewertet worden. Dagegen hatte die KBV vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg geklagt. „Diese Klage werden wir nun zurückziehen“, kündigte KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen an. „Unser Engagement für die psychotherapeutische Versorgung der Patienten ist erfolgreich gewesen, und ich freue mich, dass die Kassenseite ihre Position noch einmal überdacht hat.“

Im ursprünglichen Vergütungsbeschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses (EBA) vom 29. März, der gegen die Stimmen der KBV gefallen war, waren für die Sprechstunde sowie für die Akutbehandlung bei einer Dauer von mindestens 25 Minuten 42,75 Euro, bei 50 Minuten 85,50 Euro vorgesehen. Das sind etwa 3,5 Prozent weniger als die Krankenkassen für die Richtlinien-Psychotherapie bezahlen. Jetzt erhalten die Vertragsärzte und -psychotherapeuten für eine Sitzung von mindestens 25 Minuten 44,33 Euro, bei einer Dauer von 50 Minuten 88,56 Euro. Das entspricht einer Therapiestunde im Rahmen der Richtlinien-Therapie.

In ihrer Klage gegen den ursprünglichen Beschluss des EBA hatte die KBV angeführt, dass sich der Arbeits- und Organisationsaufwand in der Praxis durch die Einführung der neuen Leistungsangebote erhöht. Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, dass diese schlechter bezahlt würden. Außerdem könne der ursprüngliche Beschluss des EBA, der durch den BA jetzt angepasst wurde, nicht gewährleisten, „dass die Psychotherapeuten bei der Annahme einer 36 Behandlungsstunden umfassenden Arbeitsleistung (Belastungsgrenze) ein insgesamt angemessenes Honorar erzielen“, so die KBV. Schließlich seien die neuen Leistungen nicht nur als Ergänzung, sondern als Alternativen zu den bisherigen Angeboten der Richtlinien-Psychotherapie anzusehen. Insofern müsse auch die Vergütung einheitlich geregelt sein.

Zum Hintergrund: Die psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung wurden im Rahmen der Überarbeitung der Psychotherapie-Richtlinie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss zum 1. April 2017 neu eingeführt. Ziel der Neuerungen war, Menschen mit psychischen Problemen einen schnelleren und niedrigschwelligen Zugang zum Therapeuten zu ermöglichen. Die Sprechstunde soll dazu dienen, im Rahmen eines Erstgespräches abzuklären, ob der Patient eine Therapie benötigt oder ob ihm mit anderen Beratungs- und Unterstützungsangeboten geholfen werden kann. Die Akutbehandlung wiederum ermöglicht Menschen in einer konkreten Krisensituation einen direkten Zugang zum Therapeuten ohne lange Genehmigungsverfahren der Krankenkasse.