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Zum Schutz vor Wechselwirkungen: Der Medikationsplan kommt

Für Patienten, die mehr als drei Medikamente erhalten, soll die Praxis ab 1. Oktober dieses Jahres einen Medikationsplan ausstellen. Den Plan soll es zunächst auf Papier geben – in Zukunft elektronisch.
Der Medikationsplan soll Angaben enthalten zu

  • Wirkstoff,
  • Stärke,
  • Darreichungsform,
  • Handelsnamen (optional),
  • Hinweise zur Dosierung und Anwendung (optional),
  • Anwendungsgrund (optional).

Den Medikationsplan hat der Gesetzgeber der Selbstverwaltung mit dem E-Health-Gesetz in die Agenda geschrieben. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Bundesärztekammer (BÄK) und der Deutsche Apothekerverband (DAV) haben deswegen eine Vereinbarung über einen bundeseinheitlichen Medikationsplan geschlossen. Den Plan muss der behandelnde Arzt ausstellen.

Er umfasst sowohl verschreibungspflichtige als auch nicht verschreibungspflichtige Arzneien (Grünes Rezept). Wenn der Apotheker im Rahmen von Aut idem ein Fertigpräparat mit anderem Handelsnamen abgibt, kann der Medikationsplan auf Wunsch des Patienten vom Apotheker geändert werden. Der behandelnde Arzt entscheidet, ob die Änderungen auf dem Medikationsplan übernommen werden. Auf Wunsch des Patienten kann der Arzt auch auf die Angabe einer Arznei auf dem Plan verzichten.

Ob die Praxen Honorar für die Ausstellung der Pläne erhalten, verhandelt die KBV mit den Krankenkassen. "Wir setzen uns dafür ein, dass der mit dem Medikationsplan verbundene zusätzliche Aufwand auch vergütet wird", sagte Regina Feldmann, Vizechefin der KBV.

Bestehende Pläne bis April 2017 einsetzbar

Die Grafik zeigt einen besipielhaften Medikationsplans.
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Die Ausgabe eines Medikationsplans ist zwar ab Oktober 2016 Pflicht, doch erst ab April 2017 müssen Praxen die vereinbarten Standards erfüllen. Bis dahin sind Medikationspläne wie der abgebildete einsetzbar, der auf dem Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit beruht.

Medikationsplan mit Barcode

KBV, DAV und BÄK und Software-Hersteller einigten sich Anfang Juni auf die technischen Spezifikationen. Demnach sollen die Medikationspläne über einen zweidimensionalen Barcode eingelesen werden können. Praxen sind jedoch nicht verpflichtet, einen entsprechenden Scanner anzuschaffen. Wenn sie aber die Pläne ihrer Patienten einlesen möchten, brauchen sie ein solches Gerät.

Der Medikationsplan soll bis Anfang 2018 auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Davor gibt es den Plan auf Papier. Damit dies einheitlich läuft, müssen die Eckpunkte in der Praxissoftware hinterlegt werden, die Hersteller erhalten dafür von der KBV die nötigen Vorgaben. Es gibt eine Übergangsfrist bis zum 31. März 2017. Bis dahin können noch alte Medikationspläne verwendet werden.

Dr. Holger Neye