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Vergütung für Geriatrie geregelt

Hausärzte behalten in der geriatrischen Behandlung das Heft in der Hand. In schwierigen Fällen können sie aber ab 1. Juli 2016 an Geriatrische Institutsambulanzen überweisen. Der Bewertungsausschuss hat die Vergütung dafür in einem neuen Kapitel im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) geregelt. Unberührt davon beleiben die Gebührenordnungspositionen (GOP) 03360 und 03362 den Hausärzten vorbehalten.

Die neuen GOP stehen im Abschnitt 30.13 des EBM. Die Leistungen sind für Patienten mit einem besonders aufwändigen geriatrischen Versorgungsbedarf bestimmt. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Hausärzte können Patienten künftig für das weiterführende geriatrische Assessment an einen spezialisierten geriatrischen Vertragsarzt oder eine ermächtigte Geriatrische Institutsambulanz (GIA) überweisen. Im Ausnahmefall können in Kooperation mit Hausärzten auch andere Vertragsärzte überweisen (siehe Tabelle Seite 11). Es entscheiden also niedergelassene Ärzte, ob eine GIA in Anspruch genommen wird. Zur Abklärung im Vorfeld dient die GOP 30980. Die spezialisierten Vertragsärzte oder die GIA rechnen für die Abklärung im Vorfeld die GOP 30981 ab.

Geriatrisches Assessment

Das weiterführende geriatrische Assessment können Internisten mit geriatrischem Schwerpunkt oder Zusatzbezeichnung Geriatrie nach Überweisung mit der GOP 30984 abrechnen, wenn eine Abklärung nach GOP 30980 und 30981 erfolgt ist. Dauert es länger als 60 Minuten, können je weitere vollendete 30 Minuten die Zuschläge nach den GOP 30985 und 30986 jeweils bis zu zweimal im Krankheitsfall berechnet werden. Insgesamt werden bis zu 180 Minuten vergütet, mit maximal 2.000 Punkten.

Im Anschluss kann der weiterbehandelnde Hausarzt für die Einleitung und Koordination der Therapiemaßnahmen nach multiprofessioneller geriatrischer Diagnostik die GOP 30988 berechnen. Diese GOP ist ein Zuschlag zum hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplex 03362 und den Zusatzpauschalen 16230/ 16231 oder 21230/2123 für die kontinuierliche Mitbetreuung in der häuslichen Umgebung beziehungsweise in Heimen. Hausärzte können nach wie vor den hausärztlich geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362) abrechnen. Davor muss ein geriatrisches Basisassessment (GOP 03360) oder ein weiterführendes geriatrisches Assessments (GOP 30984) stattgefunden haben. Das Basisassessment ist die Grundlage für alle weiteren Schritte im neuen EBM-Abschnitts 30.13.

Abrechnungsvoraussetzungen

Um die GOP 30981, 30984, 30985 und 30986 abrechnen zu können, ist eine Genehmigung nach der Qualitätssicherungsvereinbarung zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik erforderlich. Diese Vereinbarung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbandes tritt ebenfalls zum 1. Juli 2016 in Kraft. Sie wird erteilt, wenn bestimmte fachliche, räumliche, apparative und organisatorische Voraussetzungen erfüllt sind.

Geeignet sind Fachärzte für Innere Medizin, für Allgemeinmedizin, für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, die über die Schwerpunktbezeichnung Geriatrie verfügen. Zusätzlich können Fachärzte für Innere Medizin und Geriatrie sowie Ärzte, die über die Zusatzbezeichnung Geriatrie verfügen, eine Genehmigung erhalten. Die Qualitätssicherungsvereinbarung sieht unter anderem vor, dass die geriatrische Schwerpunktpraxis mit weiteren Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden kooperiert. Der Zugang zur Praxis muss außerdem behindertengerecht sein. Darüber hinaus sind alle zwei Jahre 48 Fortbildungspunkte zu altersassoziierten Krankheiten, Syndromen und Versorgungsformen nachzuweisen.

Nur in aufwändigen Fällen

Für alle neuen GOP gilt: Sie können nur bei Patienten abgerechnet werden, die aufgrund der Art, Schwere und Komplexität ihrer Krankheitsverläufe einen besonders aufwändigen geriatrischen Versorgungsbedarf aufweisen und bestimmte Kriterien erfüllen. Diese sind in der Präambel zum neuen EBM-Abschnitt 30.13 geregelt. So müssen mindestens zwei bestimmte geriatrische Syndrome aus einer Liste vorliegen oder eines dieser Syndrome in Kombination mit einer Pflegestufe. Darüber hinaus muss längstens ein Quartal zuvor ein geriatrisches Basisassessment durchgeführt worden sein.

Frank Naundorf

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