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Ziel in Nordrhein: PPI-Verordnungen reduzieren

Die Menge der verordneten Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wächst rasant. Zwischen den Jahren 2000 bis 2014 hat sich die Zahl der Tagesdosen (Defined Daily Dose, DDD) von 273 Millionen auf 3,5 Milliarden DDD mehr als verzehnfacht.

Die Tagestherapiekosten für PPI liegen nur bei circa 20 Cent. Doch die Masse macht’s. So wurden in Nordrhein 2015 PPI für mehr als 95 Millionen Euro verordnet, im Schnitt 56 Dosen für jeden Versicherten. Mit anderen Worten: Jeder Siebte hätte ein Jahr lang mit PPI therapiert werden können, ganz gleich, ob gesund oder krank. Nordrhein liegt mit den PPI-Verordnungen je Versichertem circa sechs Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die KV Nordrhein und die Krankenkassen wollen 2016 den Verbrauch der PPI auf den Bundesdurchschnitt senken.

Die Dauertherapie mit PPI, die Fortführung der Krankenhausmedikation und die Dosierung sollten Ärzte kritisch hinterfragen. Denn bei der Langzeitanwendung von PPI sind Nebenwirkungen zu erwarten. In Studien wurden beobachtet:

  • Nierenfunktionsstörungen
  • Infektionen, ambulant erworbene Pneumonien
  • Magnesiummangel
  • Vitamin B12-Mangel
  • Clostridum difficile-Infektionen
  • Osteoporotische Frakturen

Tipps zum Absetzen von PPI

Die prophylaktische Gabe von PPI in Stresssituationen sind im Krankenhaus Routine. Ferner wird beim Einsatz von NSAR regelhaft ein PPI verschrieben. Prüfen Sie bei der Entlassmedikation, ob PPI wirklich indiziert sind. Bei fehlender Indikation sollten Sie die PPI frühzeitig wieder absetzen.

Prüfen Sie die Dosierung der PPI. Zur Prophylaxe sind PPI niedriger dosierbar als zur Therapie. Nur beim Zollinger-Ellison-Syndrom und zur H. pylori-Eradikation wird gemäß Zulassung zweimal täglich therapiert.

Beim Einsatz von PPI zur Prophylaxe von NSAR-Ulcera sollte das Gesamtrisiko beachtet werden. Eine kurzfristige Gabe von NSAR ist in der Regel keine Indikation für PPI.

Beim Absetzen von PPIs kann es zu einem Reboundphänomen kommen, also einer gesteigerte Produktion von Magensäure Experten empfehlen eine schrittweise Dosisreduktion, unter Umständen mit einer vorübergehenden Gabe eines nicht rezeptpflichtigen H1-Blockers wie Ranitidin.

HON

Stichwort: PPI

Die ersten Protonenpumpeninhibitoren wurden 1990 in den deutschen Markt eingeführt. Verschreibungspflichtige PPI sind dosisabhängig zugelassen zur

  • Behandlung und Prophylaxe von Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni,
  • Behandlung und Prophylaxe von NSAR-assoziierten Ulcera,
  • Behandlung und Langzeittherapie der Refluxösophagitis,
  • ymptomatischen Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD),
  • Behandlung des Zollinger-Ellison-Syndroms, n Helicobacter-pylori-Eradikation.

Omeprazol, Esomeprazol und Pantoprazol sind in geringerer Dosierung und in kleinen Packungen zur Behandlung von dyspeptischen Beschwerden (Sodbrennen und saures Aufstoßen) nicht rezeptpflichtig. In dieser Indikation sollen die Patienten die Präparate selbst bezahlen.

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