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Psychotherapie: KBV kritisiert Vergütung neuer PT-Leistungen

Ab dem 1. April sollen Patienten von einer neu strukturierten ambulanten psychotherapeutischen Versorgung profitieren: Neue Angebote wie ein Erstgespräch (im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde) und eine Akutbehandlung sollen ihnen zeitnah einen leichteren Zugang ermöglichen und das Versorgungsangebot insgesamt flexibler machen. Die Psychotherapeuten sind per Gesetz ab 1. April verpflichtet, psychotherapeutische Sprechstunden anzubieten. Sie entscheiden dabei selbst, wie sie dies organisieren. Möglich sind feste Zeiten, aber auch individuelle Terminvereinbarungen.

Am 29. März wurde endlich im „Erweiterten Bewertungsausschuss“ über die Vergütung der neuen Leistungen und Angebote verhandelt – das Ergebnis findet keine Zustimmung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Die Krankenkassen weigern sich, diese vom Gesetzgeber gewollten Angebote fair zu finanzieren“, meldet die KBV, die sich für eine leistungsgerechte Vergütung eingesetzt und gegen die Kassenseite positioniert hatte. Die Stimme des neutralen Schlichters gab dann allerdings den Ausschlag gegen die KBV. „Es handelt sich um eine echte Verbesserung für die Patienten. Doch die Krankenkassen haben die Interessen ihrer eigenen Versicherten torpediert. Sie weigern sich, den Mehraufwand für die Psychotherapeuten adäquat zu finanzieren. Die Krankenkassen leisten damit den Versicherten einen Bärendienst. Meine Enttäuschung ist groß“, erklärt KV-Chef Dr. med. Andreas Gassen.

Neue Leistungen, geringere Vergütung

Der gefasste Beschluss sieht vor, die Psychotherapeutische Sprechstunde sowie die Psychotherapeutische Akutbehandlung schlechter zu vergüten als andere psychotherapeutische Leistungen. Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten erhalten ab 1. April für die Psychotherapeutische Sprechstunde und für die psychotherapeutische Akutbehandlung bei einer Dauer von mindestens 25 Minuten 42,75 Euro; bei 50 Minuten 85,50 Euro – das sind etwa 3,5 Prozent weniger als die Krankenkassen für die Richtlinien-Psychotherapie zahlen. Eine Therapiestunde à 50 Minuten wird aktuell mit 88,56 Euro vergütet.

Die KBV hatte zuvor gefordert, die Psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung besser zu honorieren als die Richtlinien-Psychotherapie und dies unter anderem mit dem höheren Aufwand begründet. Das Angebot der Krankenkassen lag deutlich darunter, weshalb schließlich der Erweiterte Bewertungsausschuss eingeschaltet werden musste und schließlich mit der Stimme des neutralen Schlichters die Beschlüsse traf.

Termine für psychotherapeutische Sprechstunden und Akutbehandlungen vermitteln ab 1. April auch die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Patienten benötigen dafür keine Überweisung. Probatorische Sitzungen sowie Kurz- und Langzeittherapien sind von der Terminvermittlung ausgenommen. Die Termine zu einer Akutbehandlung können dann vermittelt werden, wenn die Behandlung im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde empfohlen wurde. Die Patienten erhalten einen Termin innerhalb von vier Wochen – jedoch nicht bei ihrem Wunsch-Therapeuten.

In der psychotherapeutischen Sprechstunde soll ein ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut oder ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut künftig frühzeitig abklären, ob eine psychische Krankheit bzw. ein Verdacht hierauf vorliegt und ob der Patient eine Psychotherapie benötigt oder ob ihm mit anderen Unterstützungs- und Beratungsangeboten geholfen werden kann. Die Akutbehandlung ermöglicht Patienten in einer akuten psychischen Krise den Zugang zum Psychotherapeuten ohne lange Genehmigungsverfahren über die Krankenkasse.