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"Eine leistungsgerechte Vergütung ist überfällig"

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Enttäuschung über das Ergebnis der Honorarverhandlungen auf Bundesebene war groß. Die gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Erweiterten Bewertungsausschuss vereinbarten 1,18 Prozent Zuwachs beim Orientierungspunktwert für 2018 hat KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen als „Nullrunde“ bezeichnet. Das Ergebnis dürfte ein Vorgeschmack auf künftige Verteilungskonflikte sein.

Für Empörung sorgte aber nicht allein das Resultat, sondern vor allem die Atmosphäre der Gespräche unter Vertragspartnern. Dass der GKV-Spitzenverband bei der Frage der Vergütung hart verhandelt, ist legitim. Nicht mehr nachvollziehbar jedoch ist die Haltung des GKV-Spitzenverband, der an Systemfragen und Strukturveränderungen kein Interesse zeigt. Dabei wären genau diese dringend geboten. Das zeigte auch unsere jüngste Fachveranstaltung am 17. Oktober 2017 mit dem Titel „Reichen die Ressourcen?“, zu der wir unter anderem Prof. Günter Neubauer eingeladen hatten – den Mann, der mit seinem Gutachten im Auftrag der KV Bayerns für so viel Aufregung gesorgt hat.

Im Haus der Ärzteschaft bekräf tigte Neubauer, dass nicht die Menge an verfügbaren Ressourcen im Gesundheitssystem das Kernproblem darstellt. Vielmehr gehe es um eine andere Verteilung der Ressourcen, zum Beispiel von überdimensionierten Kapazitäten im stationären Bereich hin zur ambulant erbrachten Medizin, die mit stagnierenden Ressourcen immer mehr leistet. Eine leistungsgerechte Vergütung ist überfällig. Darüber hinaus brauchen wir einen prospektiven Einsatz von Mitteln, damit wir überkommene Strukturen ändern können. Ein Beispiel ist die Notfallversorgung, die alle Beteiligten effizienter organisieren müssen. Wir werden dazu in neue Strukturen investieren und deren Finanzierung regeln müssen – beispielsweise für Portalpraxen.

Eins steht fest: Wenn wir das von Prof. Neubauer beschriebene Grundproblem lösen wollen – eine stetig wachsende Lücke zwischen dem Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft und den dafür bereitgestellten Mitteln – brauchen wir vor allem eine starke ambulante Versorgung. Für die müssen wir heute die Weichen stellen – gemeinsam mit Politik und Krankenkassen.

Das Bild zeigt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein

Herzliche Grüße

Dr. med. Frank Bergmann
Vorstandsvorsitzender