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Die Digitalisierung im Gesundheitswesen

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Bundesregierung hat ein neues Lieblingsthema: die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Im Wochenrhythmus signalisierten Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, Wissenschaftsministerin Johanna Wanka und Gesundheitsminister Hermann Gröhe im Juni Aktivität auf allen Ebenen. Während Zypries jedoch eine „zügigere Digitalisierung“ anmahnte, ließen Wanka und Gröhe wissen, dass sie die Digitalisierung „kraftvoll vorantreiben“ – für die Bundesregierung offenbar kein Widerspruch.

Auch von mir kommt dazu kein Widerspruch – zumindest nicht zum angestrebten Abbau von Hemmnissen bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Vertragsärzte und -psychotherapeuten betrachten die Digitalisierung inzwischen vor allem als Chance für eine gute Versorgung. Das ist auch beim 120. Ärztetag in Freiburg sowie in den jüngsten Vertreterversammlungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und unserer KV deutlich geworden.

Wir können diese Chance aber nur dann vollumfänglich und so zügig wie gefordert nutzen, wenn alle an der Versorgung beteiligten Akteure gleichermaßen davon profitieren – auch die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Wer die ambulante und sektorübergreifende Versorgung stärken und dabei die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen will, darf die notwendige digitale Infrastruktur nicht nur an Universitätskliniken finanzieren wollen, wie es Ministerin Zypries angekündigt hat.

Die Niedergelassenen müssen im Rahmen der bisherigen gesetzlichen Vorgaben, zum Beispiel bei der Verpflichtung zum Ausstellen von Medikations­plänen oder der Einrichtung der Telematik-Infrastruktur, erhebliche Summen aufwenden. Sie investieren in einen Markt für hochspezialisierte IT-Produkte, der bislang nur bedingt funktioniert und Abhängigkeiten von einem Industrie-Oligopol schafft, das die ambulante Versorgung akut gefährdet.

Wir brauchen daher erweiterte Möglichkeiten für die Selbstverwaltung, um im Bedarfsfall eigene Angebote für die Praxen bereitstellen zu können. In Hausarztpraxen beziehungsweise auf Verbandsebene soll es ja schon ein funktionierendes System zum Abgleich von Patientendaten geben, das auch den Anforderungen an den Datenschutz genügt.

Das Bild zeigt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein

Herzliche Grüße

Dr. med. Frank Bergmann
Vorstandsvorsitzender