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MVZ: Die Politik muss schnell nachjustieren

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

2004 hat der Gesetzgeber die Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) ermöglicht. Damals gab es bundesweit 70 MVZ, heute sind es fast 2.200. Allein in Nordrhein gibt es 175 Versorgungszentren – für die Politik sind MVZ ein Erfolgsmodell. Auch aus Sicht der wachsenden Zahl von Kolleginnen und Kollegen, die aus unterschiedlichen Gründen bewusst eine Anstellung anstreben, bieten MVZ eine wichtige und sinnvolle Möglichkeit ärztlicher Berufsausübung.

Darüber hinaus sind in der Regel fachübergreifende MVZ geeignete Strukturen, um kooperative Formen der Patientenversorgung zu etablieren und ein breites Spektrum an ambulanten Kompetenzen und Behandlungsangeboten vorzuhalten. Die Rahmenbedingungen zur Gründung von MVZ und zur Übernahme von Vertragsarztsitzen durch Versorgungszentren begünstigen allerdings Fehlentwicklungen, die uns Sorge bereiten: So werden in Nordrhein und auch andernorts immer mehr MVZ von Klinikträgern betrieben. Es wäre naiv, dahinter nicht auch ökonomische Motive für den Krankenhausbetrieb zu vermuten.

Noch problematischer wird es, wenn Investoren und Kapitalgesellschaften, vornehmlich aus Luxemburg oder den USA, via MVZ Arztsitze aufkaufen, um damit monopolartige Strukturen zu etablieren – im Labor, in der Dialyse, der Radiologie und der (operativen) Augenheilkunde ist diese Entwicklung bereits weit vorangeschritten. Mancherorts übernehmen MVZ so viele Arztsitze, dass nachrückenden Kolleginnen und Kollegen der reguläre Weg in die Niederlassung durch Übernahme eines Vertragsarztsitzes verwehrt bleibt.

Diese zunehmende Schieflage ist im Rahmen der geltenden Rechtslage kaum aufzuhalten. Die Politik muss deshalb schnell nachjustieren und den Einfluss von Investoren in der ambulanten Versorgung wirksam begrenzen. Statt überregionaler Monopole brauchen wir eine regional vielgestaltige und vitale Versorgungslandschaft, in der freiberufliche Praxen, Berufsausübungsgemeinschaften und MVZ gleichberechtigt und auf Augenhöhe an der Patientenversorgung teilhaben.

Das Bild zeigt den Vorstand der KV Nordrhein

Herzliche Grüße

Dr. med. Carsten König M. san.
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender