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Sinkende Honorare: KV warnt vor Pleitewelle bei Arztpraxen

13.08.2012 Pressemitteilungen

Als „unverantwortlich“ hat Bernhard Brautmeier, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, die Forderung der Krankenkassen bezeichnet, den Orientierungspunktwert für kassenärztliche Leistungen von 3,5 auf 3,25 Cent abzusenken. „Bis jetzt bin ich stets davon ausgegangen, dass wir mit den Krankenkassen einen Verhandlungspartner haben, der sich an Fakten orientiert – und der am Funktionieren der ambulanten ärztlichen Versorgung seiner Patienten interessiert ist“, sagt Brautmeier. Die Forderung der Kassen lässt ihn daran zweifeln. „Sie ist unverantwortlich, wenn man bedenkt, wie sich die wirtschaftliche Situation vieler Praxen tatsächlich darstellt.“

Sollten sich die Krankenkassen damit durchsetzen, müsse man mit einer Pleitewelle bei Praxen rechnen. „Es ist schon heute so, dass Kassenärzte ein Drittel ihrer Leistungen kostenlos erbringen und wir vor dem Hintergrund von deutlichen Kostensteigerungen, Investitionsstau und ausgebliebenen Honoraranpassungen einen großen Nachholbedarf in Sachen Vergütung haben“, so Brautmeier. „Statt darauf einzugehen und darüber nachzudenken, die eigenen Milliarden-Überschüsse in die Qualität der Versorgung zu investieren, pflegen die Kassen erneut das Bild vom Arzt, der mehr verdient als ihm zusteht.“ Dies sei mit Blick auf den Alltag von Kassenärzten „geradezu unverfroren“. Denn es gebe inzwischen viele Fachgruppen, die eine Praxis allein aus den Einnahmen aus der Behandlung von gesetzlich Versicherten kaum noch wirtschaftlich führen können.

Das von den Kassen in Auftrag gegebene Gutachten, das zur Begründung der Forderung diene, sei abenteuerlich. „Wir wissen sehr genau, in welcher Lage sich die Arztpraxen befinden – erst recht in Nordrhein, wo die Kassen deutlich weniger Geld pro Versicherten zur Verfügung stellen als in den meisten anderen Regionen Deutschlands. Und das trotz gleicher Leistung.“ Vor diesem Hintergrund müsse sich niemand wundern, dass der Ärztemangel in immer mehr Regionen zum Thema werde – und der ärztliche Nachwuchs immer öfter auf die Übernahme einer Praxis verzichte.

Mit Blick auf die anstehenden Honorarverhandlungen für 2013 beurteilt Brautmeier die Forderung der Krankenkassen als wenig hilfreich. „Mit solchen Forderungen in der Öffentlichkeit werden die Fronten unnötig verhärtet. Wir werden alles in die Waagschale werfen, um eine Senkung des schon heute zu niedrigen Punktwerts zu verhindern“, betont Brautmeier. Den Kassen müsse klar sein: „Die ambulante ärztliche Versorgung kann nicht besser und zugleich billiger werden.“

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