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Vertreterversammlung beschließt Honorarverteilungsmaßstab – BAG-Zuschlag: Einheitlich zehn Prozent

19.06.2012 Honorar, KVNO aktuell, Praxisinfos

Die Honorarverteilung liegt seit Jahresbeginn wieder in der Hand der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Auf der Vertreterversammlung (VV) der KV Nordrhein am 15. Mai haben die Delegierten den ab 1. Juli gültigen Honorarverteilungsmaßstab (HVM) beschlossen. Demnach sinken die Zuschläge für Berufsausübungsgemeinschaften (BAG). Der Verlustausgleich läuft am 30. Juni 2013 aus.

„Wir haben auf Experimente verzichtet“, sagte Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender der nordrheinischen VV und des HVM-Ausschusses, der die Vorschläge für einen neuen HVM erarbeitet hatte. Die Delegierten folgten den Vorschlägen des Ausschusses einträchtig.

Das Bild zeigt ein Porträt von Dr. Frank Bergmann

Dr. Frank Bergmann. Foto: Stefan Keller

„Das Honorarniveau in Nordrhein ist so niedrig, dass eine erneute Umverteilung größeren Ausmaßes den Kolleginnen und Kollegen nicht zuzumuten gewesen wäre“, erläuterte Bergmann. So bleiben in Nordrhein die Regelleistungsvolumen (RLV) und qualifikationsgebundenen Zusatzvolumen (QZV) zunächst unangetastet.

BAG-Zuschlag: 10 Prozent einheitlich

Ab dem 1. Oktober betragen die Zuschläge für Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) unabhängig vom so genannten Kooperationsgrad zehn Prozent. Diese Regelung gilt für jeden Standort einer fachgleichen BAG mit zwei oder mehr Ärzten wie auch für standortgleiche fachoder schwerpunktübergreifende BAGs. Mit anderen Worten: Der Kooperationsgrad spielt für die Ermittlung des BAG-Zuschlages ab dem vierten Quartal 2012 keine Bedeutung mehr.

Schon im dritten Quartal sinken die Zuschläge für Gemeinschaften, die bis dato mehr als zehn Prozent erhalten: Die Zuschläge werden oberhalb der Zehn-Prozent-Grenze halbiert. Eine BAG, die bislang beispielsweise einen Kooperationszuschlag von 30 Prozent erhielt, wird der Zuschlag im dritten Quartal auf 20 Prozent gekürzt, ab dem vierten Quartal 2012 gibt es den einheitlichen BAG-Zuschlag von zehn Prozent.

Kommentar

Dass die Verantwortung für die Verteilung der Honorare wieder in der Verantwortung der Ärzte und Psychotherapeuten vor Ort liegt, ist gut. Schließlich sind sie es, die mit ihren Leistungen diese Honorare erwirtschaften. Zudem können sie besser über regionale und lokale Probleme und Entwicklungen entscheiden, als dies vom fernen Berlin aus möglich gewesen ist.

Ein zentrales Problem aber bleibt bestehen: Die eklatanten Vergütungsunterschiede zwischen den KV-Regionen, wobei Westfalen-Lippe und Nordrhein immer noch am Ende stehen. Dieser Umstand hemmt gewaltig. Wer bei jedem Schritt das Risiko eingeht, dass Praxen in den finanziellen Ruin stürzen, bewegt sich sehr vorsichtig. Gewagte Schritte sind nicht angezeigt.

Für die Ärzte in Nordrhein wäre die Konvergenz, also die Anhebung der Gesamtvergütung, wichtiger gewesen als die Regionalisierung. Denn dann bestünde auch wieder echter Spielraum bei der Honorarverteilung.

Frank Naundorf

Verlustausgleich entfällt

Bis zum 30. Juni 2013 läuft der sogenannte Verlustausgleich im Rahmen der Konvergenzregelung aus. „Diese Ausgleichszahlungen beziehungsweise Stützungsmaßnahmen konterkarieren den EBM“, stellte Bergmann fest – nicht ohne hinzuzufügen, dass die Leistungen einiger Fachgruppen im EBM nicht angemessen bewertet würden. Grundsätzlich sollen Ärzte in finanziellen Notlagen weiter gestützt werden. Unter welchen Bedingungen, will der HVM-Ausschuss bis zum Herbst festlegen.

Für das vierte Quartal 2012 wird die Grenze für den Verlustausgleich auf 12,5, für das erste Quartal 2013 auf 15 und für das zweite Quartal 2013 auf 17,5 Prozent angehoben. Praxen sollen in finanziell bedrohlichen Situationen aber weiter gestützt werden. „Die entsprechenden Kriterien werden wir im HVM-Ausschuss konkretisieren“, so Bergmann.

Selektivverträge: Einheitliche Fallwerte

Egal ob im Kollektiv- oder Selektivvertrag: Der Fallwert ist künftig einheitlich. In der Vergangenheit kamen bei der Bereinigung aufgrund von Selektivverträgen zwei Fallwerte zur Anwendung. Die Teilnehmer an Selektivverträgen erhielten für die Patienten, die ausschließlich im Rahmen des Kollektivvertrages versorgt werden, einen niedrigeren RLV-Fallwert. Damit ist es nun (vorerst) vorbei.

Die einheitlichen Fallwerte soll es längstens für ein Jahr geben, das heißt bis maximal zum 30. Juni 2013. In dieser Zeit darf der Fallwert in den Selektivverträgen nur maximal 25 Cent unter dem Fallwert liegen, der sich für Ärzte ergeben würde, die ausschließlich am Kollektivvertrag teilnehmen.

RLV: Vorjahres-Fallzahlen

Bei der Berechnung der RLV sind nach wie vor die Fallzahlen aus dem Vorjahresquartal ausschlaggebend. Der HVM-Ausschuss hatte auch die Kalkulation auf Basis der Fallzahl des laufenden Quartals erwogen, aber schließlich verworfen. Denn wenn die KV Nordrhein die Fallzahl zu gering angesetzt hätte, hätte die Gesamtvergütung nicht ausgereicht und der Fallwert gesenkt werden müssen. Das gleiche Problem wäre bei den qualifikationsgebundenen Zusatzvolumen aufgetreten. Deswegen hat die Vertreterversammlung es beim bekannten Verfahren belassen.

Laborleistungen

Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erstellten neuen Vorgaben zur Vergütung laboratoriumsmedizinischer Leistungen wird die KV Nordrhein zum vierten Quartal 2012 umsetzen. Über die geplanten Neuerungen berichten wir ausführlich in der August-Ausgabe von KVNO aktuell.

HVM-Ausschuss

Der HVM-Ausschuss der KV Nordrhein hat im März 2012 seine Arbeit aufgenommen. Er hat 13 Mitglieder, darunter fünf „funktional bestimmte“: der Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Vertreterversammlung und die drei Vorsitzenden der Beratenden Fachausschüsse. Dazu kommen acht gewählte Mitglieder: vier Mitglieder aus dem Hauptausschuss und je zwei Mitglieder auf Vorschlag der Freien Ärzteschaft und des Hausarztverbandes. Somit gehören dem HVM-Ausschuss Mitglieder aller Gruppierungen aus der Vertreterversammlung der KV Nordrhein an.

„Die wichtigste Voraussetzung für die Arbeit des HVM-Ausschuss und für die Entscheidungen, die dann die Vertreterversammlung zu treffen hat, ist ein Höchstmaß an Transparenz“, betont der Ausschuss-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann. Nur wenn Daten zu Umsätzen und Kosten in den Praxen zeitnah und vollständig vorlägen, könnten rationale und nachvollziehbare Beschlüsse gefasst werden.

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