Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Ab 1. April abrechenbar: Neun EBM-Nummern für Diagnostik und Therapie von MRSA-Patienten

24.07.2012 Honorar, KVNO aktuell, Praxisinfos

Ab 1. April 2012 gibt es für Ärztinnen und Ärzte neue Ziffern im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), die zur Abrechnung von Diagnostik und Behandlung von MRSA-Patienten dienen. Das Honorar erhalten Ärztinnen und Ärzte extrabudgetär. Die Teilnahme an einer kurzen Fortbildung ist für viele Ärzte Voraussetzung, um die Nummern abrechnen zu können.

Die Leistungen sind bei Risikopatienten mit einer Kolonisation oder Infektion mit methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und bei deren Kontaktpersonen abrechenbar. Was sind Risikopatienten? Dafür ist im Zusammenhang mit der Abrechnung der neuen Leistungen ein Blick in den EBM nötig.

Definition: Risikopatient

Risikopatienten sind solche, die in den vergangenen sechs Monaten stationär behandelt wurden, und zwar mindestens vier Tage am Stück. Um die neuen EBM-Positionen abrechnen zu können, müssen die Patienten außerdem folgende Risikokriterien erfüllen:

  • positiver MRSA-Nachweis in der Anamnese und/oder mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren:
  • chronische Pflegebedürftigkeit (mindestens Stufe 1)
  • Antibiotikatherapie in den vergangenen sechs Monaten
  • liegende Katheter (zum Beispiel Harnblasenkatheter, PEG-Sonde)
  • Dialysepflichtigkeit
  • Hautulcus, Gangrän, chronische Wunden, tiefe Weichteilinfektionen:

Erfüllt ein Patient die Risikokriterien und kommt er innerhalb von sechs Monaten nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in die Praxis, dann stellen Sie zunächst fest, ob er MRSA trägt oder infiziert ist (MRSA-Status). Ist der Abstrich positiv oder liegt ein Nachweis aus der Klinik vor, beginnt die Eradikationstherapie.

Diese beinhaltet die notwendigen medizinischen Maßnahmen zur Eradikation des MRSA. Eine antibakterielle Nasensalbe kann für Patienten, die im Rahmen des Screenings positiv getestet wurden, auf einem Kassenrezept verordnet werden. Gurgel- und Spüllösungen wie auch antiseptische Seifen muss der Patient grundsätzlich selbst kaufen. Die weitere Sanierungsbehandlung umfasst den Zeitraum, in dem die Kontrollabstrich-Entnahmen durchgeführt werden – bis zum dritten negativen oder einem positiven Kontrollabstrich.

Genehmigung nötig

Ärztinnen und Ärzte, die die Leistungen abrechnen, benötigen eine Genehmigung der KV Nordrhein. Diese erhalten alle, die eine Zusatzausbildung „Infektiologie“ absolviert haben. Wer diese Zusatzausbildung nicht hat, muss die Teilnahme an einer Schulung nachweisen. Das kann eine von der KV zertifizierte Präsenzveranstaltung zum Thema sein oder eine Onlineschulung. Die KV Nordrhein hat am 30. März eine erste Schulung im Haus der Ärzteschaft angeboten, in der die Qualifikation erworben werden konnte.

Vorträge der Veranstaltung

Im Mittelpunkt des Fortbildungsangebots stehen Online-Schulungen, die von der Nordrheinischen Akademie angeboten werden – sie haben den Vorteil, dass sich Ärzte ganz bequem, flexibel und individuell weiterbilden können.

Die Inhalte der Schulung lassen sich herunterladen und somit auch offline nutzen, zudem stehen die Informationen über einen Gastzugang auch dem Praxispersonal zur Verfügung – und lassen sich unmittelbar zur Weitergabe an Patienten verwenden.

Nach erfolgreichem Abschluss und Ausdruck der Bescheinigung, können Sie die Genehmigung zur Abrechnung der „MRSA-Ziffern“ bei Ihrer Bezirksstelle der KV Nordrhein beantragen.

Mit der Aufnahme der neuen Ziffern folgte der Bewertungsausschuss gesetzlichen Vor
gaben im neuen Infektionsschutzgesetz. Die Abrechenbarkeit der Leistungen ist zunächst auf zwei Jahre befristet.

Infos im Internet

Alle Informationen zu den neuen Leistungen, Merkblätter und Tipps zum Umgang mit MRSA finden Sie auf einer neuen Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Internet. Auch die zertifizierten Online-Fortbildungen erreichen Sie über diese Seite

Drucken