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Lebensqualität bis zum Lebensende: Palliativversorgung flächendeckend - SAPV kommt in Schwung

03.09.2010 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

Schwerstkranke und Sterbende möchten die letzte Phase ihres Lebens zu Hause verbringen. Die Palliativmedizin kann ihnen diesen Wunsch erfüllen – in besonders schwierigen Fällen ist die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) nötig.

Der Tod in Deutschland ist institutionalisiert. Zwei Drittel der Menschen sterben in Kliniken und Heimen. Nur knapp jeder Dritte erlebt das Ende zu Hause. „Diese Relation umzudrehen, das ist unser großes Ziel“, betont Dr. Birgit Weihrauch, Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes.

Die Chancen, das Ziel zu erreichen, sind im Rheinland gut. Denn flächendeckend gibt es inzwischen Netze, die eine ausgezeichnete ambulante Palliativversorgung bieten. Zurzeit arbeiten 33 Palliativnetze in Nordrhein. Darin betreuten Ärzte, Pfleger und ehrenamtliche Hospiz-Mitarbeiter knapp 3.500 Patienten.

KV schließt Verträge mit allen Kassen

Der Erfolg hat seine Geschichte. Seit Anfang 2006 unterstützt die KV Nordrhein den Aufbau von ambulanten Palliativnetzen, schloss zuerst Verträge mit den Primärkassen, im Laufe des Jahres 2007 dann auch mit den Ersatzkassen. Auch die Betriebskrankenkassen bieten Palliativversorgung: via Integrationsverträge, an denen die KV Nordrhein Consult beteiligt ist. Die Inhalte sind deckungsgleich.

Während nach und nach Netzwerke im ganzen Rheinland entstanden, den Verträgen beitraten und sich um die Patienten mit infauster Diagnose kümmerten, hob der Gesetzgeber die spezialisierte ambulante Palliativversorgung aus der Taufe.

Experten schätzen, dass etwa zehn Prozent der Schwerstkranken diese besondere Hilfe benötigen. Zum Beispiel Patienten mit exulcerierenden Tumoren, oder wenn eine Versorgung mit einer Schmerzpumpe nötig ist.

Seit 2009 auch spezialisierte Palliativversorgung

Für die SAPV schlossen alle Krankenkassen Anfang 2009 einen Vertrag mit der KV Nordrhein. Die ersten lokalen Teams starteten im Sommer 2009 in Niederberg im Kreis Mettmann und in Düren, im Dezember kam die Region Aachen hinzu. In sieben weiteren Regionen laufen Verhandlungen. In Niederberg läuft die spezialisierte Palliativversorgung bereits: sieben Ärzte, darunter Allgemeinmediziner, Internisten und Klinikärzte leisten sie. Alle haben sie die 160-Stunden-Weiterbildung zum qualifizierten Palliativarzt absolviert und die Prüfung bestanden. Das ist eine Voraussetzung. Auch ein Behandlungskonzept ist nötig, damit ein SAPV-Vertrag geschlossen werden kann.

Die Karte zeigt eine Übersicht der Landkreise mit Verträgen zur spezialieisirten ambulanten Palliativversorgung.
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Bislang wurden vier SAPV-Verträge geschlossen. Und zwar für die Region Aachen, den Kreis Düren, Mettmann-Niederberg und den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. In sieben Regionen laufen Verhandlungen zwischen Kassen, die Netze in Oberhausen und Düsseldorf haben Konzepte erstellt.

Dazu kommen sachlich-apparative Vorgaben, zum Beispiel ein separater Besprechungsraum, um mit Angehörigen in Ruhe reden zu können. „Was wirklich zählt, ist der Wille der Beteiligten“, betont Gerda Graf, Geschäftsführerin der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier bei Düren, eine weitere SAPV-Pionierin.

Rund um die Uhr einsatzbereit

Das Herzstück der SAPV bilden die Palliative Care Teams. Sie bestehen aus mindestens drei qualifizierten Palliativ-Medizinern und mindestens vier Palliativ-Pflegekräften. Das fordert der Gesetzgeber. Voraussetzung für die Teilnahme an der Versorgung ist neben der Qualifikationsanforderung zudem eine 24-Stunden-Bereitschaft an sieben Tagen in der Woche. Dazu kommen Kooperationen mit ambulanten Hospizen und Apotheken.

Die in den SAPV-Verträgen fixierten Anforderungen sind hoch. So sollen die teilnehmenden Mediziner eigentlich mindestens 51 Prozent ihrer Zeit in der Palliativversorgung verbringen. „Wie soll ich das mit meiner Hausarztpraxis vereinbaren?“, fragt sich Dr. Udo Kratel, Leiter des Ambulanten Palliativzentrums Dormagen.

„Wer weniger als 20 Stunden Palliativversorgung betreibt, muss keine Konsequenzen fürchten“, sagt Bernd Brautmeier, Vorstand der KV Nordrhein. Das regele eine Protokollnotiz.

Verordnen können die SAPV Haus-, Fach- und Klinikärzte. Ist sie ausgestellt, dann besucht das Palliative Care Team den Kranken zu Hause und plant die optimale häusliche Versorgung. Die behandelnden Haus- oder Fachärzte bezieht das Team ein.

Jüngst haben die Krankenkassen für den rechtsrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises einen SAPV-Vertrag geschlossen. Vom St. Josef-Hospital in Troisdorf aus erstreckt sich das Einsatzgebiet des Palliativ Care Teams auf den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Außerdem gehören Köln-Porz/Wahn und Bonn-Beuel zum Versorgungsgebiet. Eine halbe Million Menschen lebt in dem Gebiet.

„Patienten, die dies wünschen, werden einen schnellen, unbürokratischen Zugang zu dieser hochwertigen Versorgung bekommen“, sagt Cornelia Prüfer-Storcks, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg.