Sprachtherapie
Sprachtherapie: Zu früh, zu oft und zu lange schadet nur
14.05.2009 GesundheitstippsFür Sie interessant ...
Nicht jedes Kind, das mit vier Jahren noch Schwierigkeiten mit der richtigen Aussprache hat, muss sprachtherapeutisch behandelt werden. Darauf weist der nordrheinische Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hin. "Immer mehr Eltern verlangen von uns Rezepte für Logopädie, weil ihr Kind angeblich nicht richtig sprechen kann. Viele melden ihr Kind sogar ohne vorherige diagnostische Abklärung zur Logopädie an", so die Sprecherin des nordrheinischen Berufsverbandes, die Düsseldorfer Kinderärztin Dr. Sylvia Schuster. "Sowohl voreilige als auch zu frühe und zu lange Sprachtherapie bringt dem Kind jedoch überhaupt nichts. Überflüssige Therapien können dem Kind sogar schaden."
Sprachentwicklung von Vorschulkindern ist sehr unterschiedlich
Die Sprachentwicklung von Vorschulkindern ist individuell sehr unterschiedlich und verläuft in Schüben. Sie ist unter anderem abhängig von Intelligenz, individueller Förderung und von der Entwicklung des Gehörs. Sylvia Schuster: "Einige entwicklungsbedingte Auffälligkeiten wie das Stottern bei Aufregung verschwinden von selbst, wenn das Kind älter wird. Eltern sollten sich deshalb nicht von Außenstehenden in Panik versetzen lassen, sondern zunächst die ganzheitliche Untersuchung durch den Kinder- und Jugendarzt abwarten."
Dabei werden nicht nur das Gehör, die Sprechwerkzeuge und der Stand der sprachlichen Entwicklung, sondern die gesamte körperliche und geistige Entwicklung des Kindes erfasst. Erst nach der gründlichen Diagnose auch der Art der Sprachstörung kann eine angemessene Therapie festgelegt werden, die alle Aspekte der kindlichen Entwicklung berücksichtigt. Je älter das Kind dabei ist, desto gezieltere logopädische Maßnahmen sind möglich. Allerdings sollten die Sprachprobleme mit Eintritt in die Schule behoben sein.
In vielen Fällen geht es auch ohne Therapie
Erfahrungen haben gezeigt, dass Logopädie am besten wirkt, wenn die einzelnen Therapiestunden in größeren Abständen genommen werden und die Eltern in der Zwischenzeit mit dem Kind zu Hause üben. In vielen Fällen geht es sogar ohne Therapie. Häufig hilft es schon, wenn der Kinderarzt die Eltern anleitet, die Sprachentwicklung ihres Kindes mit einfachen Mitteln zu Hause zu unterstützen.
Sylvia Schuster: "In vielen Familien wird heute viel zu wenig miteinander gesprochen. Der Spracherwerb der Kinder läuft leider über das Fernsehen." Häufig verbessere sich das Sprachvermögen des Kindes daher schon, wenn die Eltern sich wieder darauf besinnen, mit dem Kind zu reden, es zum Reden auffordern, ohne es dabei ständig zu verbessern. Sinnvoll sei auch, dem Nachwuchs etwas vorzulesen, anstatt ihn vor dem Fernseher sitzen zu lassen. "Denn Pokemons, Ninja Turtles und Co sind als Sprachlehrer völlig ungeeignet", betont Sylvia Schuster.
Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Landesverband Nordrhein

