Nikolaus als pädagogischer Helfer ungeeignet
Kinderärzte mahnen: Nikolaus als pädagogischer Helfer ungeeignet
23.11.2009 GesundheitstippsFür Sie interessant ...
"Na warte, wenn ich das dem Nikolaus erzähle!" Selbst aufgeklärten Eltern rutschen in der Vorweihnachtszeit solche Drohungen heraus. Wenn sich das Kind voller Trotz am Boden wälzt, wenn es sich mit seinen Geschwistern lautstark zankt oder wenn das Kinderzimmer aussieht wie ein Schlachtfeld, wird der Mann mit dem Rauschebart zum pädagogischen Helfer in der Not. Oberflächlich hat die Drohung meist Erfolg. Selbst die größten Rabauken werden lammfromm.
Erziehung nicht auf Angst aufbauen
Doch eine Erziehung, die auf Angst aufbaut, kann schlimme Folgen haben. "Die Drohung mit dem Nikolaus kann bereits vorhandene Angst verstärken oft mit schweren Folgen", so Dr. med. Sylvia Schuster, Sprecherin des nordrheinischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. "Ängstliche Kinder leiden oft unter ruhelosem Schlaf mit Albträumen, unter Konzentrationsproblemen, permanenter Angespanntheit und rascher Ermüdbarkeit.
Häufig kommen zu den Angstzuständen Depressionen hinzu, ein Mangel an Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen und damit eine übermäßige Abhängigkeit vom Schutz Erwachsener. Das Kind entwickelt Vermeidungsstrategien oder auch körperliche Beschwerden (Kopf- und Bauchweh) und wird in seinem Lebensradius einengt."
Immerhin jedes fünfte Kind in Deutschland leidet an Angststörungen, Mädchen deutlich häufiger und langanhaltender als Jungen. Nicht immer ist der Nikolaus Ursprung und Inhalt der Angst. Bei Säuglingen und Kleinkindern können vor allem laute Geräusche, die Angst vor Fremden und vor Trennung von den Bezugspersonen zu Angstzuständen führen.
Eltern sollten Geborgenheit vermitteln
Im Kindergartenalter sind es häufig imaginäre Figuren, Dunkelheit und Alleinsein, die mit Angst besetzt sind. Es ist das Alter, wo plötzlich ein Krokodil unter dem Bett liegt oder aber der große, strafende Nikolaus kommt. Schulkinder fürchten sich meist vor realen Situationen, vor der Schule, vor Krankheiten oder Naturkatastrophen. Sylvia Schuster: "Anstatt zusätzliche Angst zu schüren, sollten Eltern in jedem Fall auf die Angst ihrer Kinder eingehen, auch wenn sie ihnen unwichtig oder irrational erscheint."
Sie sollten ihnen Geborgenheit und Sicherheit vermitteln, so dass die Kinder ihre übermäßige Angst vor realen oder irrealen Gefahren überwinden und dadurch selbstständiger und unabhängiger werden. Vollständig falsch sei in einer schwierigen Situation der Satz "Stell dich nicht so an", so Schuster. Aus der Sicht des Kindes könne dies als abwertend erlebt werden: "Deine Gefühle stimmen nicht." Besser sei: "Du hast Angst, ich helfe dir und schütze dich."
Pläne für Notfallsituationen ausarbeiten
Pläne für fantasierte Notfallsituationen (zum Beispiel: Was ist zu tun, wenn die Eltern nicht nach Hause kommen?) sind nach Ansicht der Ärztin ebenfalls sinnvoll und sollten gemeinsam mit dem Kind ausgearbeitet und gut sichtbar aufgehängt werden. Auch das Telefon oder ein Nachtlicht im Kinderzimmer könne dem Kind helfen, sich sicher zu fühlen.
Wenn das Kind über längere Zeit ungewöhnlich schüchtern, introvertiert und verängstigt ist, sollten die Eltern mit ihrem Kinder- und Jugendarzt über mögliche Hilfe sprechen. "Oft genügt schon eine Beratung, in der das Kind und die Eltern Tipps zur Entspannung und zum besseren Umgang mit Angstsituationen bekommen. Dauern die Symptome jedoch an oder verschlimmern sich, ist eine Therapie sinnvoll, in die jedoch in jedem Fall die Bezugsperson einbezogen werden sollte", rät Sylvia Schuster.
Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Landesverband Nordrhein

