FAQs zu den Praxisnetzen
Häufige Fragen und Antworten zu den Praxisnetzen
- Was ist ein Praxisnetz?
- Welche Motive und Ziele haben die Netzärzte?
- Welche Arten von Netzen gibt es?
- Was gibt es an interessanten neuen Entwicklungen?
- Was spricht für die Gründung eines Praxisnetzes?
- Welche vertraglichen Möglichkeiten gibt es für Praxisnetze?
- Wer begleitet die Ärzte auf dem Weg der Gründung oder Neuorientierung?
- Wie unterstützt die KV Nordrhein die Netzentwicklung?
- Mit welchen Kosten ist die Beratung für die Netze oder Gründungsinitiativen verbunden?
1. Was ist ein Praxisnetz?
Ein Praxisnetz ist ein lokaler oder regionaler Verbund von Arztpraxen zur organisierten und geregelten Zusammenarbeit. Ein Praxisnetz kann darüber hinaus auch mit Krankenhäusern, Pflegediensten, Apotheken oder anderen Anbietern im Gesundheitsmarkt kooperieren. Einige Netze basieren auf einem Vertrag zwischen Krankenkassen und KV, die Mehrzahl jedoch nicht. Eine solche Vereinbarung ist für die Netzgründung nicht zwingend.
Besonderes Merkmal der Praxisnetze ist ihre hohe Individualität, die eine allgemein gültige Definition verbietet. Vernetzte Praxen sind häufig eine Reaktion auf regionale Versorgungsprobleme und / oder unbefriedigende ärztliche Arbeitsbedingungen.
2. Welche Motive und Ziele haben die Netzärzte?
Die Motivation und Zielsetzung für eine Netzgründung kann aufgrund der hohen Individualität der Netze sehr unterschiedlich sein, daher verbietet sich auch eine einheitliche Definition.
Die häufigsten Ziele von Netzen sind:
- ärztliche Rationalisierungspotentiale besser ausschöpfen
- zusätzliche Finanzquellen mobilisieren
- ärztliche Lebensqualität und Arbeitszufriedenheit steigern
- Sicherheit und Stärke in der Interessengemeinschaft
- die regionale Versorgungsqualität verbessern
- Patientenversorgung qualitativ verbessern
Die Motive der Netzärzte sind so unterschiedlich wie die Netze selbst. Sie sind idealistisch, materialistisch, politisch, persönlich usw.
Die Ärzte machen mit, weil sie sich unter anderem mehr Spaß an der Arbeit durch die organisierte Form der kollegialen Zusammenarbeit erhoffen, etwas mehr Freizeit, zudem mehr Sicherheit durch die Gemeinschaft, eventuell auch um regionale Interessen besser vertreten zu können.
Darüber hinaus erhoffen sich viele der Ärzte, die sich einem Netz anschließen, dass sich Vorteile für ihre Patienten realisieren lassen. Manche Netzärzte setzen auch auf finanzielle Anreize, andere wiederum möchten spezielle Projekte, wie eine elektronische Vernetzung, realisieren.
3. Welche Arten von Netzen gibt es?
Praxisnetze sind sehr unterschiedliche Organisationen mit teilweise sehr individuellen Zielsetzungen und Entwicklungen. Ganz grob kann man sie aber wie folgt nach ihrer Hauptausrichtung in Netztypen unterteilen.
Qualitätsgemeinschaft
Unter einer Qualitätsgemeinschaft wird ein Zusammenschluss von Arztpraxen verstanden, dessen vorrangiges Ziel ist, die Qualität der medizinischen Versorgung und die Kooperation zwischen den Arztpraxen zu verbessern, beispielsweise
- eine Anlaufpraxis außerhalb der Sprechstundenzeiten einrichten
- eine Leitstelle einrichten und betreiben
- einen Besuchsdienst für im häuslichen Umfeld versorgte Patienten, betreutes Schlafen einrichten
- indikationsbezogene Versorgungsprojekte entwickeln
- Doppeluntersuchungen unter anderem durch Einführung eines Patientenpasses vermeiden
- Leitlinien erstellen und/oder in die tägliche Arbeit integrieren
Die einzelnen Arztpraxen bleiben dabei wirtschaftlich selbständig. Die Vergütung der ärztlichen Leistungen erfolgt im wesentlichen nach den gleichen Regeln des Honorarverteilungsmaßstabes (HVM), wie sie auch in der Regelversorgung gelten. Es können jedoch auch davon abweichende Vereinbarungen getroffen werden.
Betriebswirtschaftliche Netze
In betriebswirtschaftlich orientierten Praxisnetzen werden einige betriebliche Funktionen nicht mehr dezentral, das heißt in den einzelnen Praxen wahrgenommen, sondern für die beteiligten Praxen im Netz organisiert. Dazu wird zum Beispiel eine eigene Service-Einrichtung gegründet, die für die Netzbeteiligten gegen Verrechnung tätig wird. Die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Einzelpraxen bleibt dabei jedoch erhalten. Folgende Aufgaben können übernommen werden:
- Geräte, Praxis- und Bürobedarf zentral beschaffen mit dem Ziel, durch Mengenrabatte die Praxiskosten zu senken (Einkaufsgemeinschaften)
- einen Gerätepool einrichten und verwalten (medizinisch-technische Geräte gemeinsam nutzen)
- einen Personalpool einrichten und verwalten
Ziel ist hier die Reduzierung der Praxiskosten und die Entlastung der Praxisinhaber von organisatorischen Aufgaben.
HVM-Modellgemeinschaft
Eine HVM-Modellgemeinschaft kann ähnliche Merkmale wie eine Qualitätsgemeinschaft aufweisen. Konstituierendes Merkmal ist jedoch, dass das Netz einen eigenen Honorartopf hat und dieses Geld unter den beteiligten Ärzten nach eigenen Verteilungsregeln aufgeteilt wird. Es gelten also nicht die allgemeinen Regeln aus dem Honorarverteilungsmaßstab der Kassenärztlichen Vereinigung.
Anbietergemeinschaft gegenüber Krankenkassen
Die vom Gesetzgeber eröffnete Möglichkeit zu integrierten Versorgungsformen werden Krankenhäuser und andere Leistungsanbieter im Gesundheitswesen nutzen, das eigene Angebotsspektrum zu Lasten der Vertragsärzte weiterzuentwickeln. Dabei stehen vor allem indikationsbezogene Versorgungsprojekte, beispielsweise aus dem Bereich Onkologie, Demenz, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen im Vordergrund, die den Krankenkassen angeboten werden. Vorraussetzung ist, dass diese Versorgungsangebote adäquat von den Kassen vergütet werden.
4. Was gibt es an interessanten neuen Entwicklungen?
Die gesetzlichen Möglichkeiten zu integrierten Versorgungsformen und die Entwicklungen im stationären Bereich werden zunehmend dazu führen, dass sich sektorübergreifende Kooperationen bilden, hauptsächlich zwischen einem Netz und einem Krankenhaus.
Neben der bevorstehenden Umstellung im Krankenhaussektor auf das neue diagnosebezogene Fallpauschalensystem DRG (Diagnosis Related Groups) sind weitere gesetzliche Veränderungen wie die so genannten stationsersetzenden Leistungen für die Krankenhäuser und letztlich auch für den ambulanten Bereich von Bedeutung.
In der Konsequenz werden sie dazu führen, dass die Verweildauern weiter verkürzt werden (müssen), bestimmte ambulante Operationen dem Krankenhaus nicht mehr vergütet werden und insgesamt stationäre Leistungen in den ambulanten Bereich verlagert werden. Nach australischen Erfahrungen kann dies bis zu 20 Prozent der stationären Leistungen betreffen.
Kooperationen sind der richtige Ansatz
Kooperationen, zum Beispiel im Rahmen einer abgestimmten fachübergreifenden Behandlungs- und Versorgungskette, werden für viele der richtige Ansatz sein, um möglichst frühzeitig für die Zukunft gerüstet zu sein. Aufgrund dieser neuen Nachfragesituation nach ambulanten Leistungen, am besten in einem "funktionierenden" Ärztenetz, entstehen für die Netze ganz neue Möglichkeiten, sich als gleichberechtigte Partner in einer Gemeinschaft mit einem Krankenhaus zu verkaufen.
Die ersten dieser "neuen" Kooperationsformen arbeiten bereits erfolgreich zum Wohle der Patienten zusammen, etwa in Hessen und Bayern. Auch in Nordrhein gibt es schon Erfolg versprechende Ansätze.
Gemeinsam ist diesen Projekten, dass sie stärker als die "frühen" Netze
- die Öffnung für andere Sektoren als Chance für alle betrachtenden Patient in den Mittelpunkt aller Maßnahmen stellen
- zuerst das Projekt in Eigenregie aufbauen und dann erst mit den Kassen über Projektpläne verhandeln wollen
- Transparenz und Information von Anfang an verfolgen
- dabei den Patienten stets im Mittelpunkt aller Bemühungen sehen und für das Kooperationsprojekt meist die KV frühzeitig einbinden
5. Was spricht für die Gründung eines Praxisnetzes?
Es gibt eine Fülle von Argumenten, die für einen Zusammenschluss von Ärzten sprechen. Häufig angeführte Argumente betreffen die Sicherung der eigenen Berufsausübung und damit die Verbesserung der beruflichen Situation, was aber nicht unbedingt dem Streben nach einer besseren finanziellen Situation entspricht. Das kann eine verbesserte Kommunikation der Ärzte untereinander, aber ebenso auch eine Verringerung der Arbeitszeit und eine Erhöhung der allgemeinen Lebensqualität bedeuten.
Gemeinsam ist allen Netzen, dass sie intensive Kooperationsbeziehungen aufbauen, und die Erwartung, im Netz das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. So wird von vielen Ärzten die Überwindung des Einzelkämpferdaseins und eine damit einhergehende Verringerung des ärztlichen Konkurrenzdruckes als Chance der Vernetzung genannt.
Nicht zuletzt kann die Gründung von Praxisnetzen unter den derzeitigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen eine Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der Arztpraxen gewährleisten.
6. Welche vertraglichen Möglichkeiten gibt es für Praxisnetze?
Einsparungen im System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind nicht einfach zu erzielen, häufig auch nicht zu ermitteln. Dies liegt daran, dass nicht nur die niedergelassenen Ärzte, sondern auch der Krankenhaussektor überwiegend budgetfinanziert ist. Das heißt, auch bei weniger stationären Einweisungen durch erweiterte ambulante Leistungsangebote gelingt es den Kostenträgern nicht, den notwendigen Geldtransfer zu erreichen. Einsparungen bei der Pharmakotherapie sind in Teilbereichen möglich, müssen aber immer mit den Mehrausgaben durch innovative Präparate verrechnet werden.
Der Gesetzgeber hat durch die Regelungen der Modellverträge (§§ 63-65a SGB V), Strukturverträge (§ 73a SGB V) und integrierte Versorgung (§§ 140a-h SGB V) umfangreiche Vorgaben und Möglichkeiten geschaffen, neue Versorgungsformen in die GKV einzuführen. Wichtiger ist an dieser Stelle der Hinweis, dass die Motivation der potentiellen Vertragspartner, diese Möglichkeiten mit Leben zu erfüllen, entscheidend ist.
7. Wer begleitet die Ärzte auf dem Weg der Gründung oder Neuorientierung?
Natürlich gibt es eine ganze Reihe von externen Unternehmensberatungen und anderen freundlichen Helfern, die schnell mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn ein Netz zum Beispiel gegründet werden soll. Darüber hinaus werden in ganz Deutschland auch immer mehr berufsbegleitende Zusatzausbildungen zum Praxisnetzmanager und ähnliches angeboten, in denen betriebswirtschaftliche und projektmanagementbezogene Fähigkeiten erlernt werden sollen.
Doch bevor Sie sich damit befassen, sollten Sie zuerst danach schauen, was Ihnen Ihre KV anbietet. Die KVen sind inzwischen längst ein äußerst anerkannter Dienstleister für Praxisnetze. Sie haben unter Federführung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und deren Referat Versorgungsformen und Kooperation sowie mit wissenschaftlicher Begleitung der Katholischen Fachhochschule Köln, Prof. Marcus Siebolds, ein Netzwerk der Netzbeauftragten aufgebaut. In diesem Kreis wurde das Wissen aller KVen über die Netze zusammengetragen und in ein qualitätsgesichertes Beratungskonzept zur Unterstützung des Projektmanagements der Netze in Gründung oder Reorganisation überführt.
Know-how in Arbeitsmaterialien eingearbeitet
Zur Anwendung dieses Konzepts sind Netzberater ausgebildet worden, die Workshops moderieren, Sitzungen leiten und Arbeitsgruppen coachen können. Fortlaufend wird das mit der täglichen Arbeit "an der Basis" wachsende Know-how in Arbeitsmaterialien eingearbeitet, aus denen dann zum Beispiel Checklisten für Netze zum Aufbau einer Netzleitstelle oder einer Kooperation mit einem Krankenhaus entstehen.
Die Beratung und Dienstleistung der KVen ist nicht nur überwiegend kostenfrei für die Netze, sondern vor allem auch qualitätsgesichert, voller Erfahrungen und Kontaktmöglichkeiten und insgesamt weitestgehend allparteilich, also unbeeinflusst von privatwirtschaftlichen Zwängen.
8.Wie unterstützt die KV Nordrhein die Netzentwicklung?
Ansprechpartner
Michael Hölscher
Tel.: (02 11) 59 70-84 17
Fax: (02 11 ) 5 28 00-86 39
E-Mail
Die KV Nordrhein kann den Netzen für jede Phase der Entwicklung hilfreiche Materialien und Informationen zur Verfügung stellen. Die Netzberater sind dafür ausgebildet worden, diese bei Bedarf im Beratungsprozess gezielt anzuwenden, zum Beispiel in gemeinsamen Arbeitssitzungen oder moderierten Workshops. Auf dieses Angebot können die Netze in Nordrhein selbstverständlich auch zurückgreifen. Daneben sind eine Reihe von Unterlagen und Materialien beim Netzbeauftragten erhältlich.
Sekundärliteratur
Natürlich verfügen die KV-Netzbeauftragten über eine umfangreiche Sammlung an Artikeln, Berichten und sonstigen Veröffentlichungen zum Thema Praxisnetze und allem, was damit zu tun hat. Diese Sekundärliteratur zur allgemeinen Einführung ins Thema und Grundlagen können Sie selbstverständlich nachfragen.
Besser ist jedoch, sich gleich kompetent ins Thema einführen zu lassen, beispielsweise durch einen Vortrag auf einer Informationsveranstaltung oder ein Kontaktgespräch.
Die Startbroschüre
Die Startbroschüre soll auf wenigen Seiten einen ersten Überblick über die so genannten neuen Vertrags- und Versorgungsformen geben, zu denen auch Praxisnetze gehören. Sie benennt Hintergründe und Entwicklungen sowie die beteiligten Akteure und erläutert die wesentlichen Begrifflichkeiten.
Sie beinhaltet in "abgespeckter" Form unbedingt notwendige Inhalte und dient als Vorbereitung auf die Arbeit mit dem wesentlich umfangreicheren Arbeitsbuch.
Das Arbeitsbuch
Um die vielfältigen Fragen bei der Gründung und Weiterentwicklung von Netzen strukturiert und nachvollziehbar zu bearbeiten und zu dokumentieren, haben die Netzberater der KVen das Arbeitsbuch für Netze entwickelt. Es richtet sich an alle, die ein Netz aufbauen oder schon in einem Netz arbeiten und es weiterentwickeln wollen. Adressat sind insbesondere solche Personen, die sich näher mit der Organisation eines Netzes befassen.
Das Arbeitsbuch ist in Form von offen Fragen entwickelt worden, um den Entwicklungsprozess des jeweiligen Netzes nicht durch vorschnelle Empfehlungen und Ratschläge zu beeinträchtigen.
Das Arbeitsbuch ist in der inzwischen überarbeiteten Version sowohl auf Gründungsprozesse als auch auf Reorganisationen und Neuausrichtungen anwendbar. Es kann von den Ärzten entweder alleine oder zusammen mit dem Netzberater bearbeitet werden.
Die Checklisten
Es ist nicht immer einfach, bei der Entwicklung von Netzprojekten alle Einzelheiten und Fußangeln zu bedenken. Die KV Nordrhein bietet dafür die Hilfe über Checklisten, die im Netz bearbeitet werden können. Für ergänzende Informationen stehen die Netzberater zur Verfügung.
Checklisten gibt es derzeit für
- Identifikation von geeigneten Kooperationspartnern im stationären Sektor
- Pharmakotherapie (ambulant / stationär)
- Ressourcensharing mit dem KrankenhausEinrichtung und Betrieb einer Leitstelle
- Einrichtung und Betrieb einer Anlaufpraxis
9. Mit welchen Kosten ist die Beratung für die Netze oder Gründungsinitiativen verbunden?
Die oben beschriebene Unterstützung der Netze ist größtenteils ein Serviceangebot der KV Nordhrein an alle Mitglieder und damit nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden.
Dies betrifft die Information und Beratung zu grundlegenden Fragestellungen sowie auch einen Erstberatungstermin, der auch im Rahmen einer Informationsveranstaltung vor Ort durchgeführt werden kann. Natürlich gehört hierzu auch die Klärung von einzelnen Fragen und manches mehr.
Eine prozessbegleitende Gründungsberatung oder ein projektbezogenes oder auch dauerhaftes Netzmanagement ist jedoch sehr zeit- und arbeitsintensiv und kann nicht ohne weiteres von einer KV für eine einzelne Gruppe von Ärzten geleistet werden. Hierfür steht in Nordrhein die KV Nordrhein Consult, ein Geschäftsbereich der KV Nordrhein Notdienst und Bürgerberatungs GmbH, zur Verfügung.
Auf der Basis vorheriger Beratungs- bzw. Sondierungsgespräche erstellt Ihnen „die Consult“ ein auf Ihre speziellen Bedürfnisse und Zielsetzungen ausgerichtetes Angebot. Dies kann sich auch auf Leistungen im Rahmen von Integrationsverträgen beziehen.

